Kommentare zu Yaoi=schwul, oder was?

Kilia

Hallo Nika!

Ich wollte nur mal meine Meinung zu Yaoi = schwul, oder was? sagen. Ich finde zwar auch, dass Yaoi-Geschichten nicht wirklich das Schwulsein realistisch darstellen, aber ich glaube, das ist auch gar nicht erwünscht. Ich finde es durchaus nicht schlimm, wenn sich Frauen an diesen Geschichten erfreuen und ihren Spaß damit haben. Und ich glaube auch, dass sogar manch Schwuler gefallen an diesen Geschichten findet. Mein Bruder ist selber schwul, ich muss zugeben, er wirkt wirklich nicht wie eine Figur aus einer Yaoi-Geschichte, aber es gibt doch durchaus Parallelen *g*. Selbst durch meinen Bruder habe ich andere Schwule kennengelernt, die Yaoi-Geschichten schreiben. Ich glaube, jeder sollte die Geschichten lesen und schreiben, der auch Spaß damit hat. Der Phantasie sollten doch nicht irgendwelche Grenzen gesetzt sein!

Trotzdem, auch wenn ich jetzt nicht so viel dazu schreibe, fand ich das Thema interessant und gut, dass du das mal angesprochen hast *schleim*.

Frohes Schaffen weiterhin, liebe Grüße Kilia

Gaby

... Persönlich würde ich recht gerne die Autorinnen nach Altersklassen und Erfahrung einteilen - furchtbar, nicht wahr? Keine Sorge - das bezieht sich auf solche Seiten wie yaoi.de und ähnliche HPs im Net. Du hast sie am Anfang Deines Artikels ja auch schon angesprochen.
Hier toben sich offensichtlich häufig sehr junge Mädchen aus, denen die Romantik aus jedem Knopfloch guckt und die verträumt ihre Vorstellung einer liebevollen, schwulen Beziehung iederschreiben....Selbstverständlich möchten sie mit den Problemen des realen Lebens nicht unbedingt in Kontakt kommen. Insofern sind Yaoi-Geschichten wohl wirklich keine Schwulen-Geschichten, aber ich glaube auch nicht, daß sie das sein sollen, oder doch?
Na ja, realistisch....wie realistisch ist ein homosexuelles Leben darzustellen....ich habe es mir immer so vorgestellt, daß es sich von dem Leben eines Heterosexuellen eigentlich gar nicht so sehr unterscheidet; abgesehen natürlich vom Offensichtlichen.
Nun kenne ich persönlich leider keine Homosexuellen und kann da vermutlich nur sehr bedingt mitreden. Zu schade, hmm?
Logisch, daß es um die gleichen Gefühle wie in heterosexuellen Beziehungen geht. Fragen wie "Warum kommst Du so spät, das Essen ist kalt" können doch auch hier Platz finden, oder? Der berühmte Lippenstift am Hemdenkragen fällt natürlich flach, dafür ist es eventuell ein dezenter (fremder) Herrenduft...oder wie stelle ich mir das richtig vor?
Auf den HPs wie yaoi.de bin ich fast gar nicht, weil auch ich inzwischen unterscheide zwischen - sorry, Mädels - seichterer Literatur und in meinen Augen etwas anspruchsvollerer Kost. Zu dumm und wirklich, wirklich schade, daß mein heißgeliebtes Happyend dabei oft auf der Strecke bleibt.
....

Norma Banzi

Hallo Nika,

herzlichen Dank für Deinen Artikel zu meinem Yaoi-Special und den Link zu meiner Webseite. Die Argumentation der Symbolik usw. ist mir natürlich nicht fremd. Es wäre sicherlich Mal interessant, darüber einen Artikel zu schreiben. Leider fehlt mir derzeit die Zeit. Meine Meinung zu dem Thema ist folgende: Wer von zwei Jungs oder Männern schreibt, die sich ineinander verlieben und Sex miteinander haben, schreibt nuneinmal von Homosexualität, selbst wenn diese Charas Projektionsfläche für weibliche Wünsche sind. Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel, auch wenn er von der 'Autorin' als Symbol für eine Birne herangezogen wird. Viele Kritikerinnen meiner Liste stürzen sich nun auf die Symbolik, die den Yaoi-Geschichten innewohnt und negieren ganz einfach, weil es bequem ist, die vordergründige Botschaft einer Geschichte, in der zwei männliche Wesen in Liebe zueinander entbrennen. Eine Geschichte ist mehr als der Wille des Autors / der Autorin, das habe ich selbst schon einige Mal schmerzhaft oder auch voller Freude an den für mich manchmal sehr überraschenden Reaktionen auf eigene Geschichten ablesen können. Eine Geschichte hat sozusagen einen verobjektivierten Empfängerhorizont, egal, ob es dem Autor und dessen Fans passt oder nicht. Dass Yaoi-Geschichten keine schwulen Geschichten sind, kann allenfalls innerhalb der Yaoi-Gemeinde gelten, in der sich alle Mitglieder darüber einig sind, dass der Apfel eine Birne symbolisiert. Außerhalb dieser Gemeinde wird eine Yaoi-Geschichte nun einmal nach einem anderen Maßstab beurteilt, und das finde ich auch legitim. Mir kann frau sicherlich vorwerfen, ich würde bei meiner launigen Liste die Symbolik außer acht lassen und dadurch den Blick auf das Genre verkürzen. Wer jedoch alles auf die Symbolik schiebt und den Blick von Außen nicht zulassen mag, verkürzt ebenfalls. Wer miteinander poppende Männer als Projektionsfläche für weibliche Wünsche nach dem treuen, liebevollen und sensiblen Partner benutzt, muss auch damit rechnen, dass es Leser und Leserinnen wie mich gibt, die einen beim Worte nehmen. Und warum, frage ich mich, darf es nicht Geschichten geben, die so gut sind, dass sie eben in beiden Welten bestehen können, in der Yaoi-Welt ebenso wie in der schwulen (und solche Yaoi-Geschichten gibt es tatsächlich). Mitunter mutet mir die ganze Diskussion um die Symbolik eben auch als Entschuldigung bzw. Ausrede an. Manche in den einschlägigen Archiven kursierenden Geschichten sind einfach schlecht, auch aus dem Yaoi-Blickwinkel. Symbolik schützt vor schlechtem sprachlichen Ausdruck und vor mangelnder Recherche nicht.

So, nun habe ich Dich lange genug aufgehalten. Ich werde so schnell wie möglich Deinen Artikel im Yaoi-Special erwähnen und einen Link auf Deine Seite setzen.

Schöne Grüße
Norma Banzi

etc