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Yaoicharas sind nicht schwul. Zumindest die meisten nicht. Wie ich darauf
komme, trotzdem man leicht viele Seiten finden kann, auf denen es zwei
Männer es lang und heiß miteinander treiben? Durch Norma Banzi!
Sie hat auf ihrer Seite eine
Liste von Dingen, die sie an Yaoigeschichten stören . Darin kommen
unter anderen die fehlenden Darkrooms und die problemlose Untreue ihres
schwulen Bruders zum Tragen, welche ihr bei Yaoigeschichtelchen fehlen.
Während ich diese Liste las, ging mir auf, dass Yaoigeschichten keine
schwulen Geschichten sind. Wie kommt das?
Nun, vor allem liegt es daran, dass hier Frauen schreiben und zwar für
Frauen. Diese Geschichten sind nicht primär an Homosexuelle gerichtet,
nein, sondern eine Art Ersatz für den Hetero-Liebesroman für
Frauen; diese Geschichten sollen also gar nicht realistisch und am Leben
der Homosexuellen ausgerichtet sein. Daher kommt es auch, dass alle Männer
in dieser Welt so sind, wie sie sich die Schreiberin erträumt: treu,
offen, romantisch und sich nicht zu fein, auch mal [öfter] zu weinen.
Diese Charas haben Probleme damit, den einen Partner, die ultimative Liebe
ihres Lebens, für sich zu gewinnen, oder zu behalten. Weniger haben
sie Probleme mit Diskriminierung, Safer Sex und ihrem Coming out. Meistens
sehen sie sich nicht als schwul, sondern sie lieben halt diesen einen,
besonderen Menschen, der nun mal zufällig das gleiche Geschlecht
hat, tja. Bei den meisten Geschichten mit etwas mehr Plot als einer Sexszene
[und sogar häufig bei denen], ist dieser Mensch halt der andere Teil
des Ichs, die Komplettierung des Puzzles, so dass diesem Pärchen
nicht einfällt, auch noch mit anderen der gleichgeschlechtlichen
Neigung nachzugehen. Wenn man den einen gefunden hat, dann ist das nun
mal das höchste Glück und, mal ehrlich, wer will das schon freiwillig
aufgeben, hm? Zumindest keiner der Charaktere im Yaoi-Genre. Und wenn
dieses eine perfekte Wesen verloren wird? Oh Schreck, Angst droht.
Sicher, nicht jeder kann sich mit dieser Art von Modellen und Mustern
anfreunden, auch wenn er weiblichen Geschlechts ist. Sicher, auch ich
finde diese Geschichten auch mal unbeschreiblich nervig, das gebe ich
zu. Wenn sich Norma aber beschwert, dass die meisten der Geschichten auf
boyxboy oder yaoi.de nicht einem Schwulen gefallen würden, wegen
mangelnder Realität, dann denke ich: Die meisten dieser Erzählungen
sind keine Geschichten für ein schwules Publikum. Sie sollen und
können es nicht sein. Wenn ich eine Geschichte über Schwule
lesen möchte, dann lese ich die eines homosexuellen Autors. Und sogar
die grenzen häufig auch mal an ganz 'normalen' Kitsch. [Gerade gelesen:
Jim Grimsley - Das Leben zwischen den Sternen]
Die Welt eines Schwulen ist sicher nicht die, welche man in den meisten
der yaoi-Geschichten nachlesen kann. Ich selbst habe lange nachmittags
auf freiwilliger Basis in einem Homo-Café gearbeitet, so dass ich
ein paar der realen Probleme meiner gleichgeschlechtlich interessierten
Mitmenschen kenne. Aber wenn ich schreibe, wenn ich zwei Männer aufeinander
abfahren lasse, dann vor allem deshalb, weil ich dann den doppelten Spaß
habe, sie im Kopf aneinander herumfummeln zu lassen. Dazu kommen dann
Wünsch und Träume, welche man in die Figuren projiziert und
- voila - schon hat man den Yaoi-Effekt. Es kann jedem passieren.
Neben diesem Spaßeffekt gibt es vielleicht noch einen sozialpolitischen.
Wir leben in einer Männerdominierten Welt, in der die Frau als rein
sexuelles Wesen häufig unterschätzt wird. Dass Frauen auch sexuelle
Phantasien haben, welche den männlichen in Nichts nachstehen, ist
nicht unbedingt mit dem Bild der Mutter und Haushälterin zu vereinbaren.
Daher mag das Aufschreiben solcher Eingebungen auch eine kleine Auflehnung
gegen Rollenklischees sein. Vor allem, da frau den Mann ja auch in eine
empfangende, unterwürfige Position schreiben kann.
Ich will nicht sagen, dass es keinen Spaß macht, auch mal die Wirklichkeit
darzustellen oder sich in eine weniger verträumte Welt aus Sex und
Realität versetzten zu lassen, doch es ist einfach etwas anderes.
Ich komme für mich selbst zu dem Schluss, dass das Yaoi-Fandom ein
anderes Publikum bedienen will als homosexuelle Schriftsteller. Ob man
diese Richtungen vergleichen sollte, ist schwer zu beantworten. Wenn man
es tut, dann darf man nie vergessen, dass auch ein stinknormaler Liebesroman
nicht der Realität einer heterosexuellen Liebe entspricht.
Denn diese Romane und Yaoi haben häufig eines gemeinsam: Sie sind
schimmernde Blasen der Phantasie, Traumgebilde und als solche befriedigen
sie eine stetige Nachfrage.
Oder, wie Caliban in Panchens Gästebuch schrieb: Ach, eines noch:
Die immer wiederkehrende Diskussion über Slash/Shonen Ai/Yaoi: Klar...
Die Geschichten sind unrealistisch *grins* Aber auch als Schwuler laden
sie mich doch zum träumen ein... und haben damit doch eine Berechtigung^^
Nika
Dank an Caliban dafür, dass ich seinen Eintrag nutzen durfte. Seine
Einschätzungen der Problematik hat er auch noch aufgeschrieben.
Herzlichen Dank!
Kommentare zu diesem Rant
Ich gebe hier noch ein paar Empfehlungen, von Filmen und Geschichten,
die mir Spaß gemacht haben.
Homosexuelles Leben:
- US - Queer as Folk (Serie)
- Abschiedsblicke (Film)
- Sommersturm (Film)
- But I am a Cheerleader (Film, Satire)
Yaoi:
- Lazy
Sunday von Ricci
- Forever's
Kiss von Pandorah
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