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Langsam aber sicher spürte ich, wie sein Griff um meinen Hals nachließ
und er mich vorsichtig und doch gleichzeitig abwesend vor dem Kristall
auf dem Boden absetzte. Er schien mich gar nicht mehr wahr zu nehmen,
so eingenommen war er von dem, was er sah.
"Schwester, bist du es?"
Ich konnte sehen, wie Aila langsam näher trat und ihre Hand liebevoll
auf seine Schulter legte. "Ja Bruder, ich bin es." Sie sprach
leise und doch konnte ich ihre Worte deutlich verstehen. "Ich wusste,
dass du mich nicht vergessen hast. Doch ich konnte mich dir nicht zeigen.
Du hättest sofort begonnen nach mir zu suchen."
Ich wusste, dass Saphir neben mir zitterte und konnte mir ungefähr
vorstellen, wie er sich fühlte. Er hatte jahrelang geglaubt, seine
Schwester sei tot, und nun stand sie plötzlich vor ihm.
"Aila du lebst. Ich
ich habe es nicht geglaubt. Wo warst du?"
Ich sah, wie er Tränen in den Augen hatte und glaubte doch, wieder
etwas den Marsianer in ihm entdecken zu können. Es schien beinahe
so, als wäre das Fell ein wenig seinem natürlichen Gesicht gewichen.
"Du hast richtig vermutet als du sagtest, die Dämonen hätten
mich entführt. Was du jedoch nicht weißt: es war genau das,
was ich ihnen aufgetragen hatte." Auch ich hielt bei diesen Worten
die Luft an, denn auch ich kannte diesen Teil der Geschichte nicht. So
herrschte für einen winzigen Augenblick beängstigende Stille
im Raum, welche jedoch sogleich wieder durch Ailas Stimme unterbrochen
wurde. "Ich dachte, du würdest mich nie vor dem Ältesten
verstecken können und ahnte damals auch nicht, dass du beabsichtigt
hast, ihn nieder zu schlagen. Ich hatte ihnen gesagt, dass sie diese Zeremonie
unter allen Umständen verhindern sollten, weil ich nicht an den Mythos
des Kristalls glaube und auch immer noch nicht tue. Und so trug ich ihnen
auf, mich unter allen Umständen zu sich zu holen, egal was geschehen
würde. Und so haben sie diese Bitte ohne Rücksicht auf Verluste
befolgt."
Ich sah, wie Saphir bei diesen Worten um Atem rang, nicht wusste, was
er seiner Schwester als nächstes entgegnen sollte. Dann jedoch überwand
er sich zu einigen leisen Worten. "Aber woher kanntest du die Dämonen?
Wie konntest du-"
Diese Worte zauberten ein winziges Lächeln auf Ailas bleiche Lippen.
"Du erinnerst dich doch sicher noch, als ich als Kind von zu Hause
weglief. Du und Vater habt mich damals lange gesucht, hast du erzählt.
Ich hatte mir vorgenommen für immer vom Mars zu verschwinden, wollte
euch wieder sehen. Und so lief ich in den Krater in der Hoffnung, dass
man dort die Gleiter für meinen Ausbruch versteckte. Doch statt dem
gesuchten fand ich einige furchterregende Raubkatzen, die mich aus Angst,
ich wäre ein Feind, gefangen nahmen."
"Aber-" Ich sah, wie Saphir zu einem Widerspruch ansetzte, wahrscheinlich
sagen wollte, dass er nichts anderes von diesen Bestien erwartet hatte.
Doch Aila gebot ihm Einhalt indem sie ihn sofort wieder unterbrach.
"Sie brachten mich dann zu ihrem Obersten, welcher zunächst
beschloss, dass ich eine Gefangene der Phobonen, so nennen sie sich, sei.
Doch schon bald sah er, dass nichts Bösartiges an einem 5 jährigen
Kind war und so wurden wir nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten
Freunde."
Wieder brach die Stille über diesen Raum herein und plötzlich
spürte ich einen seltsam stechenden Schmerz in meiner Seite. Völlig
erschrocken blickte ich an mir hinab und sah, das der Stoff an dieser
Stelle vollkommen von Blut durchweicht war. Da erst besann ich mich der
Verletzung, welche Saphir mir mit seinen Krallen zugefügt hatte.
Unweigerlich taumelte ich ein wenig zur Seite, stieß dabei ungewollt
mit Saphir zusammen, welcher mich sogleich gefährlich musterte. Aila
jedoch reagierte sofort indem sie mich in letzter Sekunde auffing, und
sich meine Wunde besah.
"Was hast du mit ihr gemacht?" fragte die ihren Bruder sogleich
mit tadelndem Blick welcher jedoch nur ein schuldbewusstes "Ich dachte
sie wäre der Feind!" murmelte und nun auch mit Sorgen verzerrtem
Gesicht an mich heran trat. "Das müssen wir unbedingt behandeln
lassen. Ich hole am besten-"
Doch Aila unterbrach ihn erneut. "Nicht nötig, ich mache das."
Und sogleich legte sie ihre Hand auf die Wunde, übertrug damit eine
angenehme Wärme auf meinen Körper. Und tatsächlich, der
Schmerz verschwand und wurde sogleich durch eine angenehme Müdigkeit
ersetzt.
"So, das müsste erst mal wieder in Ordnung sein." Hörte
ich Aila liebevoll zu mir sagen. "Es wird wohl am besten sein, wenn
du dich zunächst ein wenig hinlegst. Ich und Saphir haben ohnehin
noch einige Dinge zu besprechen."
Und so willigte ich erleichtert ein da ich bereits ahnte, dass die folgenden
Worte nicht mehr für meine Ohren bestimmt waren.
Stunden später erwachte ich in Ailas weißem Himmelbett und
fühlte mich sogleich ein wenig besser. Aila hatte Recht gehabt, der
Schlaf hatte mir wirklich gut getan.
Was mochten die Beiden wohl noch alles besprochen haben? Doch ich vertröstete
mich damit, dass es mich ja eigentlich nichts an ging, schob daher wenn
auch ein wenig enttäuscht den Gedanken beiseite, und kroch aus meinem
Bett.
Da entdeckte ich Aila, wie sie ein wenig abseits auf einem Sessel lümmelte
und musste unweigerlich grinsen. Dieser Anblick passte so gar nicht zu
dem, was ich sonst über sie dachte.
"Du bist wieder da?" hörte ich mich ein wenig verwundert
fragen bemerkte aber sofort, wie albern diese Frage eigentlich war. Ich
hatte mehrere Stunden geschlafen. War ja selbstverständlich, dass
Aila dann irgendwann in ihr Zimmer zurückkehrte. Dann bemerkte ich
jedoch ihren nachdenklichen Gesichtausdruck und hakte ein wenig verwundert
nach.
"Was hast du denn?"
"Er hilft uns." Lautete ihre knappe Antwort, bevor sie sich
sogleich wieder hinter einer Mauer aus Schweigen vergrub. Ich jedoch konnte
ihr Problem nicht so recht nachvollziehen.
"Wirklich? Aber das ist doch gut. Dann gibt es ja doch noch Hoffnung!"
Doch ich erntete nur einen verständnislosen Blick von ihr.
"Der Älteste wird ihn dafür verbannen, ihn womöglich
als Verräter hinrichten lassen. Du kennst ihn nicht, er hasst die
Dämonen! Und er wird nie dulden, dass sich einer seiner Soldaten,
sei es auch ein wichtiger Kommandant, gegen seinen Befehl stellt."
Ich schwieg, wusste nicht, was ich darauf entgegnen sollte. Es war nicht
zu leugnen, das sie im recht war. Und doch wollte ich die ganze Lage nicht
von dieser negativen Seite betrachten. Schließlich hatten wir endlich
etwas errecht!
"Aber es ist doch nicht gesagt, dass er ihn umbringt. Schließlich
ist Saphir auch einer seiner besten Freunde, wenn ich das richtig mitbekommen
habe. Und auch wenn der Älteste manchmal stur sein kann, für
so engstirnig halte ich ihn nicht."
"Dann bleibt uns nur zu hoffen, dass du Recht hast."
Die wenigen Stunden bis zum Abend vergingen schneller, als es mir in
diesem Moment lieb gewesen war. Ich wusste, dass der angekündigte
Angriff des Ältesten noch in dieser Nacht stattfinden sollte und
mich fröstelte beim Gedanken daran. Hatten wir wirklich eine reelle
Chance zu gewinnen? Oder war die Unterstützung durch Saphir nur ein
sinnloses Opfer für einen aussichtslosen Kampf?
Doch letztendlich spiele es keine Rolle, die Entscheidungen waren getroffen.
Die Phobonen würden sich wehren, denn wenn sie es nicht taten, wären
sie verloren.
Wir hatten uns hinter den winzigen Erdhügeln im Krater versteckt,
warteten nun darauf, dass der Älteste mit seinen Truppen anrückte.
Aila hatte versprochen, dass sie uns von drinnen mit all ihrer Magie unterstützen
würde, sie wollte dem Ältesten unter keinen Umständen begegnen,
was ich gut verstehen konnte. Es musste sie sicher schon große Überwindung
gekostet haben, sich ihrem Bruder zu zeigen.
Man hatte mir einige Männer gegeben, mich in eine dieser Rüstungen
gesteckt, welche sich automatisch dem Körper des Trägers anpassten.
Sonst hätte ich sie mit Sicherheit nicht tragen können. Ich
hatte meine Augen geschärft, lauerte auf jede Bewegung am Kraterrand.
Und dieses Mal fühlte ich mich angenehm munter und bei Verstand.
Dann sah ich sie endlich, einige dunkele Gestalten, welche mit unerwarteter
Geschwindigkeit den Hang hinunter eilten. Ich gab meinen Männern
ein Zeichen und sah, wie sie verstehend mit dem Köpfen nickten. Sie
wussten, dass der Feind uns zahlenmäßig überlegen war,
doch dank des Fluches, welcher diese Männer hier zu Dämonen
machte, waren wir um ein vielfaches stärker. Das einzige Hindernis
sollte die Symbiose der Feinde mit den Maschinen werden.
Schon wenige Augenblicke später waren sie hier und da ich wusste,
dass sie uns schon längst entdeckt hatten, gab ich meinen Männern
ein Zeichen aufzustehen. Ich sah, wie sie noch einmal nickten, wusste,
dass sie mir vertrauten. Doch innerlich betete ich, dass diese Entscheidung
die richtige gewesen war. Und so standen wir da, im Angesicht des Feindes
und erkannten, dass es sich hierbei direkt um den Stoßtrupp des
Ältesten handelte. Er stand mir direkt gegenüber, war in eine
riesige schwarze Rüstung gehüllt, so dass sein Gesicht fast
vollkommen verhüllt war. Doch dank meiner Symbiose konnte ich den
anderen problemlos erkennen.
"Du?" seine Stimme klang verärgert und doch gleichzeitig
ungläubig. "Ich hätte nie gedacht, dass du uns so verraten
würdest. Wie konnte ich nur so blind sein und meine Macht wegen dir
aufgeben."
Ich verstand nicht so Recht, was er damit meinte, wusste aber, dass dies
nicht der Richtige Zeitpunkt war um nachzufragen. Und so beschloss ich
Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen.
"Ich wäre damals nicht gegangen, wenn ihr euch nicht wie ein
eifersüchtiges Kind benommen hättet. Des Weiteren bin ich mir
auch jetzt keiner Schuld bewusst, euch verraten zu haben. Ich handele
nach meinem Gewissen und dieses sagt mir, das meine Entscheidung die völlig
Richtige ist." Mit diesen Worten blickte ich mich noch einmal um
und entdeckte dabei Saphir unter den Massen, welcher mir anerkennend zunickte.
Wahrscheinlich hatte er selbst nicht geglaubt, dass eine ehemalige Geliebte
des Ältesten den Mut besitzen würde, sich gegen ihn zu stellen.
Und so glaubte ich, dass ich seinen Entschluss mit meinem Handeln noch
einmal bestärkt hatte.
"Du stellst dich also gegen mich?" Die Stimme des Ältesten
hatte einen beinahe tödlichen Unterton angenommen welcher mich doch
einen kurzen Moment lang vor Angst zögern ließ. Dann jedoch
hatte ich wieder neuen Mut gefasst und sagte wesentlich selbstsicherer
als erwartet:
"Ja, das tue ich."
"Dann ist das heute dein Untergang."
Mit diesen Worten hatte er seinen Arm in die Luft gerissen und bedeutete
so seinen Truppen, dass sie angreifen sollten. Doch keiner der Männer
rührte sich. "Was ist mit euch? Habt ihr Angst bekommen, oder
was? Das sind nur Dämonen! Wir haben sie schon einmal besiegt!"
Doch auch darauf erfolgte keine Reaktion. Völlig Fassungslos wandte
sich der Älteste zu seinen Männern um, in seiner Stimme war
dabei ein hörbares Zittern zu vernehmen.
"Was habt ihr? Ich sagte ANGRIFF!"
Da trat Saphir aus der Menge hervor, wobei seine Gestalt in der Rüstung
noch größer wirkte als beim letzten Mal. "Sie wollen sich
nicht abschlachten lassen für einen Krieg, der sinnlos ist!"
Auch seine Stimme klang unsicher und verriet, dass auch er sich seiner
Sache nicht sicher war. "Und auch ich werde das nicht tun!"
"Also stellst auch du dich gegen mich?" die Stimme des Ältesten
klang ungläubig, hatte aber ihren aggressiven Unterton nicht verloren.
"Ihr Feiglinge!" Mit diesem verzweifelten Aufschrei stürzte
er sich auf uns, allein, und war tatsächlich bereits im nächsten
Moment überwältigt. "Ihr Verräter, Dafür werdet
ihr alle hängen! Das schwöre ich euch!" Doch die Mienen
der Männer waren unverändert. Womöglich waren auch unter
ihnen welche, die ihre Familien damals bei der Vertreibung der Dämonen
verloren hatten. Und so brachten wir den Ältesten zunächst in
die Tiefen der unterirdischen Höhlen, wohin uns seine Krieger ungern
aber doch freiwillig folgten.
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