Opening: In The End / Linkin Park
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Ermöglicht von unzähligen 'Droh'Mails und den Beta von Aphelion.
Wenn es euch gefallen hat, schreibt mir
Am Montagmorgen weckte der hide-Wecker brav seinen Besitzer und dessen Freund,
die sich beide müde aufrichteten.
"Ich muss arbeiten..." stellte Aiji betrübt fest und rieb
sich den Schlaf aus den Augen. Jun nickte schlapp. Er musste nicht los,
das fühlte sich so seltsam an.
Manami hatte schon das Haus verlassen, so hatte er eigentlich keinen Grund
das kuschelige Bett zu räumen. Dennoch stand er zusammen mit Aiji auf,
um ihm Gesellschaft zu leisten und des Öfteren besorgte Blicke zu werfen.
"Meinst du wirklich, dass du es schaffst? Ich meine, mit den ganzen
blauen Flecken und so...", Juns besorgte Stimme schreckte Aiji aus
seinen Morgentran.
"Sicher, Jun-chan. Es tut nicht mehr so doll weh, nur wenn ich mich
strecke oder dran komme."
Jun beruhigte sich etwas und fand es dennoch schade, dass er den schlanken
Mann gehen lassen sollte. Immerhin hatte seine Anwesenheit Juns Gedanken
von den Muratas, dem Plan und seinen sonstigen Sorgen abgelenkt. Jun war
ihm sehr dankbar dafür.
Als Aiji an der Tür sich von Jun mit einem Kuss und einer beinahe verzweifelten
Umarmung verabschiedet hatte und verschwunden war, fühlte sich der
Zurückgebliebene beinahe als ob jemand ihn ausgesetzt hatte. Verloren
trottete er zurück in das leere Apartment und drehte den Fernseher
an, um die Stille aus den Ecken zu vertreiben.
Manami näherte sich ihrer Bank und hielt inne.
Vor der Tür standen ihre Kollegen und tuschelten. Mit gerunzelter
Stirn ging sie zu ihrer Freundin Yukio. "Was ist denn hier los?",
fragte sie diese voller Zweifel.
Ihre Freundin wandte sich mit einem grimmigen Grinsen an Manami: "Sie
untersuchen unsere Unterlagen."
Manami blinzelte. "Was? Warum denn das?"
"Das weiß keiner so genau..." Yukio hob ahnungslos die
Schultern.
Mit brennender Neugierde drängelte sich Manami durch ihre Kollegen,
um einen besseren Blick auf das Geschehen zu ergattern. In ihrer Bank
liefen Leute in schwarzen Anzügen umher, trugen Akten zusammen, checkten
Daten auf Computerbildschirmen und schrieben lange Reporte. Die junge
Frau beobachtete das Treiben eine zeitlang, dann kehrte sie wieder zu
ihrer Freundin zurück.
"Haben die denn gar nichts gesagt?", erkundigte sie sich noch
einmal.
"Nein. Sie lassen uns überhaupt nicht hinein." Yukio schien
zu frieren, da sie unter ihrem Mantel nur ihre dünne Bank-Uniform
anhatte. Sie schauderte und zog ihren Mantel enger um sich.
"Was machen wir jetzt?", wunderte sich Manami laut.
Ihre Freundin schien sich darauf einzustellen, dass sie noch einige Zeit
vor der Bank verbringen würden und zündete sich erst einmal
eine Zigarette an. Das war wiederum zu langweilig für Manami, die
sich noch einmal nach vorn drängelte und einen der Männer, die
vor der Bank Wache standen, fragte: "Sagen Sie mal, was machen wir
jetzt? Können wir heute noch arbeiten?"
"Das müssen Sie meinen Vorgesetzten fragen.", antwortete
der uniformierte Mann.
Manami rollte ihre Augen. Japanische Bürokratie!
"Könnten Sie eventuell Ihren Vorgesetzten fragen, ob er uns
sagen kann, wie lange das noch dauert. Vielen ist kalt und wir würden
sonst nach Hause gehen."
Der Uniformierte warf einen Blick auf die bibbernde Belegschaft und nickte
zustimmend."Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann.",
lenkte er ein.
Manami schenkte ihm ihr strahlendestes Lächeln. Sie machte ein "V"
Zeichen in Richtung Yukio und die lächelte.
Kohta starrte auf das Telefon, gedankenverloren, obwohl dieses klingelte.
"Hey, kleiner Bruder!", hörte er schließlich die
verärgerte Stimme Shinyas. Ohne ganz wach zu werden, nahm der blonde
Murata den Hörer ab:
"Muratas Reparaturen, wie kann ich Ihnen helfen?"
Was auch immer die weibliche Stimme ihm da erzählen wollte, er registrierte
es nicht, denn seine Gedanken drehten sich um ein Bündel Mann in
seinen Armen und die schlechte Laune seines Bruders. Alles erschien ihm
irgendwie bedeutsam, aber bis jetzt konnte er sich noch keinen Reim daraus
machen. Also ließ er das Gebabbel der Kundin durch sein Gehirn fließen
und versuchte weiterhin die Verbindung zwischen all diesen Dingen zu entdecken.
Shinya saß in dieser Zeit, kleine Schrauben aus einem Radio drehend
und versuchte nicht zu dem Kotatsu-Heizlüfter zu schauen, der auf
eine Reparatur wartete. Es war nicht Juns Kotatsu. Aber es war auch nicht
wichtig, denn er spürte den Verlust dennoch: Jun war nicht länger
bei ihnen.
Und er fühlte sich beinahe, als ob jemand seine Energie in einem
riesigen Feuerwerk vergeudet hätte. Es hatte gefunkelt und geleuchtet,
doch nun war er ausgebrannt.
In dem kleinen, einsamen Apartment, vor einer Tasse Tee sitzend, sinnierte
Jun versuchte und seine Empfindungen zu sortieren, was ihm nicht so recht
gelang. Immer wieder konnte er keine Grenze zwischen Wahrheit und Tagträumen
ziehen. Er konnte nur den Kopf über sich selbst schütteln und
sich bedauern, aber so eine klägliche Figur wollte er eigentlich
nicht sein.
Seinen Mund in eine entschlossene Linie verzogen, erhob sich Jun und stapfte
in sein Zimmer, wo sein Blick auf seine Gitarre fiel. Auf seinem Gesicht
breitete sich eine gewisse Erleichterung aus, bevor er das Instrument
ergriff. Mit Konzentration horchte er auf kleine Verstimmungen, aber war
recht zufrieden mit den Tönen, als er langsam die Seiten anschlug.
Dann holte er aus seinem roten Rucksack die alten, verknitterten Notenblätter
hervor und begann sie zu studieren.
Er hatte nicht mehr komponiert seit er Koji kennengelernt hatte. Das lange
Elend' hatte ihn immer mit anderen Probleme auf Trab gehalten, so
dass er nicht dazu gekommen war. Zusätzlich hatte er auch keinerlei
Inspiration verspürt, doch jetzt, in dieser seltsamen, nie gekannten
Stimmung war die Zeit gekommen, wieder Noten zu Papier zu bringen. Ein
befreites Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er Note um Note
in seinem Kopf erklingen hörte.
"Also, was ist nun?" fragte Manami, bemüht freundlich,
den Uniformierten, als dieser von seiner Odyssee zu seinem Vorgesetzten
zurückkam.
Der Mann räusperte sich ein paar Mal, so dass alle Angestellte ihn
erwartungsvoll ansahen. "Sie sollen für heute nach Hause gehen.
Wir bitten Sie, morgen wieder pünktlich an Ihrem Arbeitsplatz zu
erscheinen."
Unter den frierenden Leuten wurde langsam ein Murmeln laut, bevor die
meisten aufgaben und einfach gingen. Yukio ging zu Manami und lachte:
"Was hältst du von einem Kaffee, bevor ich erfriere?"
"Eine sehr gute Idee.", stimmte Manami zu und nickte dem Uniformierten
dankbar zu. Zusammen eilten sie in den nächsten warmen Coffee-Shop.
Dort angekommen, bestellten sie und Manami musste an ihren Kaffee mit
Takeo denken, obwohl Yukio wesentlich unkomplizierter war als der junge
Mediziner. Ein wenig schlich sich wieder das schlechte Gewissen ein, dass
sie immer noch verspürte. Aber sie schüttelte es ab, als Yukio
ein wenig von ihrem letzten Date erzählte und sich über den
Mann aufregte, den sie hatte treffen wollen.
"Und er war verheiratet! Stell dir das mal vor!" Yukio schnaubte
verächtlich.
"Ehrlich? Und was hast du gemacht?"
"Ich? Ich habe ihn eiskalt stehen lassen, was hast du denn gedacht?"
Manami lachte ein wenig. Typisch Yukio. Manami war froh, dass ihre Freundin
so eine patente, willenstarke Person war.
Sie wünschte nur, sie selbst wäre auch so. Ein Seufzer entrang
sich ihr. Sie hatte sich ja noch nicht einmal getraut, ihren ekeligen
Kachou wirklich fertig zu machen, obwohl sich ihr die Chance geboten hatte.
Sie war wirklich ein Schwächling. Vielleicht lag es an den Yamamura-Genen?
Aiji zog seinen Schlüssel zu seinem Apartment heraus. Es gruselte
ihn, dort hinein zu gehen.
Sein Apartment war kahl und baufällig, eigentlich hielt er sich nie
lange dort auf, nur um ein paar frische Klamotten zu holen oder nach dem
rechten zu sehen. Aber es war billig.
Er huschte hinein, ignorierte den Geruch nach Schimmel und Feuchtigkeit.
Vielleicht fühlten sich ja wenigstens die Ratten oder Kakerlaken
in dieser Unterkunft wohl, er jedenfalls nicht. In seinem kleinen Schlaf/Wohnzimmer
mit eingebauter Küche suchte er nach einigen Hosen und passenden
Pullovern.
Wozu das alles?
Takeo wollte mich nicht, für wen sollte ich also gut aussehen?
Doch dann schüttelte er diesen selbstzerostörerischen Gedanken
ab, suchte weiter in seinen Sachen nach denen, die er besonders mochte.
Alles stopfte er in seine gefährliche Umhängetasche und einen
Beutel, dann verließ er das Zimmer mit dem Gefühl, ein Fremder
zu sein - so wie jedes Mal. Vor seinem inneren Auge erschein ein lächelnder
Jun, der ihm Mut machte. Dann rekapitulierte er die Küsse und die
Zärtlichkeiten mit Takeo. So sonnig und voller Hoffnung.
Umsonst?
Er blickte zurück auf sein trauriges kleines zu Hause, das er nicht
so nennen mochte. Nein, immerhin hatte er einen kleinen Moment mit dem
Arzt verbracht und wollte nichts bereuen. Keinen ihrer Küsse, keine
Berührung.
Alles würde er aufbewahren und sich mit Wärme daran erinnern,
auch wenn das Ende eher kalt und niederschmetternd gewesen war. Mit einem
faden Lächeln ließ er die Melancholie hinter sich.
"Juhu, ich bin wieder da!" hörte Jun die Stimme seiner
Schwester zu einer ungewöhnlich frühen Tageszeit.
"Willkommen daheim. Schon so früh? Was ist passiert?" Als
nächstes war Besorgnis in seiner Stimme. "Geht es dir etwa wieder
nicht gut?"
"Nein, nein, mach dir keine Sorgen. In unserer Bank waren Leute,
die nach irgendetwas gesucht haben. Deshalb haben sie uns den Tag frei
gegeben."
"Oh." Jun wandte sich seiner kläglichen Komposition zu,
doch dann hielt er inne. "Sie haben eure Bank durchsucht?"
"So ist es." Manami entledigte sich ihrer Schuhe und begann
die hässliche Schleife um ihren Hals zu lockern. Jun erhob sich und
streckte sich etwas.
"Was haben die denn gesucht?"
"Das wurde natürlich geheimgehalten. Schien aber hochwichtig
zu sein..."
Jun überlegte, ob das wohl etwas mit ihrem Plan zu tun hatte. Aber
da Manami alles außer der Beförderung abgelehnt hatte, verwarf
er den Gedanken wieder. Alleine hätten die Muratas so etwas niemals
ins Rollen gebracht, er vertraute ihnen völlig, wie er erstaunt feststellte.
Er sah Manami noch einmal nachdenklich an, bevor sie ihm ein kleines Essen
vorschlug. Jun grinste breit und vergass seine Überlegungen, als
sein Magen die Überhand gewann. Als Manami in der Küche stand
und versuchte, ihren Bruder davon abzuhalten, ihr zu helfen und größere
Katastrophen zu vermeiden.
Während ihrer Bemühungen, klingelte es an der Tür.
Jun lief zur Tür und ahnte schon, dass es Aiji war. Und genau der
kam dann auch durch die Tür, seine Tasche prall gefüllt mit
Klamotten.
"Hallo, du kommst gerade rechtzeitig. Es gibt gleich Essen.",
lächelte Jun ihm entgegen.
"Ich bin extrem hungrig. Das klingt gut."
"Wie war die Arbeit?" Leichte Sorgen schwang in Juns Stimme
mit.
"Okay. Es gab nicht viel zu tun. Mein Boss war ziemlich besorgt und
ich musste ihn die ganze Zeit beruhigen. Er hatte wohl Angst, es sei etwas
anderes als nur ein paar blaue Flecken." Juns Augenbrauen flogen
hoch: "Und was?"
"Aids?"
Jun schnaubte und gab seinem besten Freund einen Knuff. "Daran kannst
aber auch nur du denken. Dabei bist du doch immer derjenige, der auf Kondomen
besteht."
Aiji hob seine Schultern und lachte. "Weißt du noch, damals?
Wir haben nur aufgehört, weil beide Packungen leer waren."
Jun wurde etwas rot und nickte dann. "Sicher weiß ich noch.
War vielleicht ganz gut so, sonst hättest du nie deinen Schönheitsschlaf
bekommen."
Aiji knurrte kurz, schlüpfte aus seinen Schuhen und jagte Jun dann
durch den Flur, bis er ihn auf dem Futon in Juns Zimmer erwischte und
begann, gnadenlos die Seiten des kleineren Mannes zu kitzeln. "Aaaaaahhh.....Aiji...bitte!",
japste Jun und sperrte sich gegen den Mann über ihm. Aiji lachte
nur.
"Essen ist fertig, ihr Turteltäubchen....!" rief Manami
aus dem Wohnzimmer und die Attacken ließen nach. Sofort hockte der
schlanke Mann vor dem Kotatsu und hielt eine Schüssel in der Hand,
um Reis bettelnd, während Jun erst einmal nach Atem ringen musste,
bevor er sich erheben und ins Wohnzimmer torkeln konnte.
"Das war gemein...", maulte er, pseudo-sauer.
Dann hockte er sich neben Aiji und empfing seine Portion Reis und die
Beilagen dazu mit einem dankbaren Lächeln.
Aus Gewohnheit drehte Manami den Fernseher an. Etwas Game-Show-artiges
erfüllte den Raum mit Geschwafel und Geklatsche, während die
drei ihr Essen genossen.
Aiji schaufelte sich bereits die dritte Portion Reis auf seiner kleine
Schale, als Nachrichten ihn verärgerten.
"Schalt mal um," murrte er, doch Manami schüttelte den
Kopf und Jun ebenso. Also vergrub er sich in seinem Essen.
"...und nun zu den regionalen Nachrichten. Wie wir erfahren haben
wurde heute am frühen Nachmittag der Filialleiter der Tsuitomo Bank
Niederlassung in Nakano, Kato Shiige-san unter dem dringenden Verdacht
des schweren Betrugs vorübergehend festgenommen."
Drei Augenpaare flogen zum Fernseher, wo die Bilder eines Mannes,
der versuchte sich vor den Kameras zu schützen, über den Bildschirm
flimmerten.
"Was?", erklag es von den dreien wie aus einem Munde.
"D...das kann doch nicht wahr sein!", keuchte Manami und plötzlich
sah sie Jun wütend und verzweifelt an. "Ich dachte, ich hätte
ausdrücklich gesagt, dass ich das nicht wollte!"
Aiji konnte nur wortlos vor sich hin starren. Doch Juns Blick sank auf
die Tischplatte, Zornestränen stiegen in seine Augen. Und welche,
die von Verrat kündeten. Er fühlte, wie ihm heiß und kalt
wurde, während sich in seinem Körper das lähmende Gefühl
ausbreitete, das er schon so gut kannte.
Sie haben gelogen. Und ich habe ihnen vertraut. Ich bin so doof, so leicht
zu belügen. Kohta und Shinya haben mich betrogen! Nicht nur mich,
auch Manami.
Kalter Zorn stieg in ihm auf. Er fühlte, wie alle Frustrationen,
alle Wut, alle Verzweiflung der letzten Wochen sich in seinem Bauch zusammenballten.
Wie konnten sie nur? Wie konnten sie es wagen?
Manami empfand ähnlich. "Das ist das letzte! Siehst du, was
du angerichtet hast, Jun?"
"Ich habe ihnen vertraut...", stammelte er und schämte
sich dafür. "Ich wollte ihnen so sehr vertrauen. Das war ein
Fehler, ein riesiger Fehler." Seine Stimme brach beim letzten Wort
und bittere Tränen rollten über seine Wangen.
Manami seufzte und rückte näher zu ihm.
"Ich habe es ihnen ja auch vertraut, Jun.", versuchte sie ihren
Bruder zu trösten. Aiji schüttelte den Kopf: "Ich kann
es nicht glauben Ich kann einfach nicht glauben dass die Muratas so eine
Sache hinter euren Rücken tun würden." Sein Blick landete
auf dem Gesicht seines Freundes: "Ganz besonders nicht ohne dein
Einverständnis, Jun."
"Aber, sie haben es getan...". flüsterte der Angesprochene
und biss sich auf seine Unterlippe.
Aiji schüttelte den Kopf: "Vielleicht solltest du lieber erst
einmal mit ihnen reden."
Jun kaute weiter auf seiner geplagten Unterlippe herum : "Ich glaube
nicht, dass ich das schaffe." Woraufhin Aiji mit den Augen rollte.
"Du gehst jetzt da hin und redest mit den Muratas." Er ergriff
Juns Arm und zog ihn hoch, durch den Flur zu ihrer Genkan
und begann den kleineren Mann in viele viele Lagen einzuwickeln,
dabei ignorierte er die vermummten Proteste seines Opfers. "So, jetzt
schlüpf in deine Schuhe und geh hin."
Aijis Ton erlaubte keinen Widerstand, Jun kannte den schon. Zerrissen
zwischen Wut und Feigheit wankte Jun schließlich in den Fahrstuhl
und von da aus zu der Bahnstation.
Kohta bemühte sich sehr, Jun im kleinen Laden zu ersetzen, doch
sein Bruder schien alles zu kritisieren, während er sein Möglichstes
tat.
"Ich bin nicht Jun", grummelte er, sehr ungehalten, als ihn
Shinya wieder einmal in seiner kühlen Art darauf hinwies, dass das
Telefon klingelte und drei Leute in dem kleinen Raum warteten.
Shinya verharrte in seiner Bewegung. Dann sah er seinen Bruder an, ein
seltsames trauriges Lächeln auf seinen Lippen. "Tut mir leid,
Kohta. Tut mir wirklich leid." Dann schluckte er und nickte er: "Du
machst das gut. Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist."
Dann verschwand er in der Werkstatt und begann intensiv mit anstehenden
Reparaturarbeiten.
Kohta bediente die Kunden, ignorierte das Telefon bis alle gegangen waren
und nahm dann ab. Er notierte einige Nummern und Aufträge, als er
jemanden in der Tür bemerkte.
In seinem Gehirn leuchtet ein Name auf. "Jun!" rief er, legte
mit einer schnellen Entschuldigung auf und eilte zu der dick eingepackten
Figur in der Tür.
"Jun!", rief er noch einmal, als er sah, dass der kleinere Mann
zögernd auf der Türschwelle verharrte. "Komm doch rein"
Kohta grinste freundlich, dann rief er nach hinten: "Onii! Jun ist
hier!"
Jun blieb halb drinnen, halb draußen, seine Augen gesenkt, sein
Kinn und Mund in seinen Schals versteckt. Shinya verließ seien Arbeitsplatz
beinahe unwillig. Wollte er Jun wirklich sehen?
Als er die stille Figur hinter Kohta ausmachte, wusste er, dass etwas
nicht stimmte. Endlich sah Jun auf.
In seinen Augen stand keine Freude oder Aufregung, nein, es war kalte
Wut die er den Muratas schenkte.
"Wie konntet ihr nur?!" hisste der kleine Mann unter seinen
Schals hervor.
Er erhob seinen Kopf, reckte sein Kinn vor und schenkte den beiden Muratas
Verachtung und Verletztheit in einem Blick.
Kohta blinzelte verwirrt, Shinya ebenso.
"Wie konntet ihr nur so etwas tun? Und ich Einfaltspinsel habe euch
vertraut." Jun schüttelte den Kopf über sich selbst. "Aber
nun weiß ich es besser."
"Worüber redest du eigentlich?", erkundigte sich Kohta,
betroffen.
"Das weißt du doch sehr genau! Hat es wenigstes Spaß
gemacht, Manami und mich zu hintergehen? Ich hoffe es."
"Was meinst du denn damit?" Kohta wurde langsam ungeduldig,
außerdem mochte er es nicht, ohne Grund beschuldigt zu werden. Shinya
kam näher und legte seinem Bruder eine Hand auf den Unterarm. Der
Blonde sah erstaunt aus, als er erkannte, dass sein älterer Bruder
sanft den Kopf schüttelte.
Jun funkelte die beiden an, aber schon versperrten Tränen seine Sicht.
Er schlug beiden Hände vor sein Gesicht, damit ihn keiner weinen
sehen konnte. "Ich bin so dumm... Ich bin ja so bescheuert...",
schniefte er.
Schließlich riss er die Hände wieder herunter, nur um die beiden
noch einmal mit seinem tränenüberströmten Gesicht zu konfrontieren.
"Ich hoffe, ihr seid jetzt glücklich", krächzte er
und dann drehte er sich um und lief davon.
Eine entschlossene Hand hielt Kohta zurück. "Wir können
sein Vertrauen nicht zurückgewinnen, wenn wir keine Beweise haben."
Kohta sah seinen Bruder verzweifelt an. "Aber wir können ihn
doch nicht so gehen lassen!"
Der ältere hob nur hilflos die Schultern. "Denkst du, dass er
und glauben wird, wenn wir ihm sagen, dass wir es nicht waren."
Kohta hielt inne. "Was denn überhaupt?"
Shinya schien auch keine Ahnung zu haben, denn er legte grübelnd
einen Zeigefinger an seine Lippen. "Das sollten wir herausfinden.
Dann wissen wir auch, wie wir Yamamura-san vom Gegenteil überzeugen
können."
Kohta zögerte, es zog ohne noch in Richtung Jun, Aber dann stimmte
er langsam zu: "Du hast recht, Onii."
Shinyas Gesicht erhellte sich. "Ich denke, ich weiß, wie wir
es herausbekommen."
Jun saß in der Bahn und fragte sich, warum er eigentlich hingefahren
war.
Jetzt schmerzte sein Herz viel mehr, er fühlte sich erniedrigt und
ausgebrannt. Warum hatte er nur auf Aiji gehört?
Und er musste nachher noch arbeiten. Völlig überfordert sank
er in sich zusammen, verbarg sein Gesicht in seinen Schals und wünschte
sich an das Ende der Welt.
Aiji hatte Manami dabei zugesehen, wie sie in verschiedenste Zustände
von Wut, Verzweiflung und Stumpfsinnigkeit verfallen war. Nun schien sie
sich gefangen zu haben und saß ruhig am Kotatsu. Sie schüttelte
den Kopf: "Ich kann nicht glaube, dass das alles passiert ist. Kato-san
verhaftet..."
Dann klingelte das Telefon und Manami nahm ab. Sofort fing die Stimme
ihrer Freundin Yukio an, auf sie einzudröhnen: "Hast du das
gesehen? Kato-san ist verhaftet worden."
"Ja, ja. Habe ich gesehen", antwortete Manami vorsichtig.
Aiji wandte sich wieder dem Fernsehprogramm zu, als sein Handy dudelte.
Er sah auf das Display und erkannte die Nummer nicht. Etwas befremdet
nahm er ab: "Hallo?"
"Aiji-san?", hörte er und die Stimme kam ihm bekannt vor.
"Hier ist Murata Shinya."
"Shinya-san?"
"Yamamura-san war gerade hier und..." Shinya suchte nach Worten:
"...hat sich seltsam benommen."
Aiji versuchte sich, ein 'seltsames Benehmen' bei Jun vorzustellen.
"Ich habe nicht verstanden, worum es ging. Bitte, könnten Sie
mich eventuell aufklären?"
Aiji stand auf und verließ das Wohnzimmer, wo der Fernseher und
Manami um die Wette redeten. Als er an einem ruhigen Ort war, begann er
mit angestrengt freundlicher Stimme: "Sie haben Jun verraten, als
sie und ihr Bruder den großen Plan gegen den Willen von Manami ausgeführt
haben."
Shinya keuchte entsetzt und empört am anderen Ende, sofort protestierte
er: "Das haben wir niemals!"
"Ja? Und warum ist eben jener Mann, den wir mit diesem Plan hätten
ins Gefängnis bringen können, heute Nachmittag verhaftet worden?"
"Wie bitte? Er ist verhaftet worden?" Die Stimme wurde immer
ungläubiger.
"Schauen Sie kein Fernsehen? Sehen Sie sich die Nachrichten an."
Aiji wartete keine Erklärung ab: "Und Jun hat Ihnen Beiden blind
vertraut. Er war so sauer. Ich habe ihn zu Ihrem Laden geschickt, um mit
Ihnen zu reden."
"Er hat uns nicht zu Wort kommen lassen. Aiji-san, ich versichere
Ihnen, weder Kohta noch ich haben mit dieser Verhaftung etwas zu tun."
Shinya holte tief Luft und fügte hinzu "Ich schwöre es
Ihnen bei meiner Ehre."
Aijis Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln bei diesen Worten.
Aufrichtig, stolz, ehrenhaft...ein wenig verschwiegen und vielleicht etwas
einsam. Genauso wie er Shinya eingeschätzt hatte, klang er jetzt
auch.
Nun musste er Shinya und auch Kohta helfen und somit auch Jun wieder heilen.
"Ich weiß. Dass Yamamura-san es uns nicht glauben wird."
Shinya schweig eine Weile. "Wie soll ich es ihm begreiflich machen?"
Aiji überlegte. Jun war im Moment viel zu aufgebracht für Ehre
und Logik.
"Ich rufe Sie wieder an, wenn ich es weiß, okay?", sagte
er also und hörte Zustimmung von der anderen Seite. Als er aufgelegt
hatte, verstand er etwas und er lehnte sich zurück gegen eine Wand.
Shinyas Gefühle Jun gegenüber waren echt.
Jun ging nicht mehr nach Hause vor seinem Job, er konnte Manami nicht
in die Augen sehen und hatte keine Lust, Aiji zu begegnen. Er stand im
leichten Nieselregen vor einem Schaufenster und betrachtete die kleinen
Kätzchen und Hunde in ihren winzigen Glaswürfeln im Schaufenster
eines Tierladens. Er fragte sich, wie die kleinen Wesen nur so ruhig bleiben
konnten, während man ihre Behandlung nur als Tierquälerei bezeichnen
konnte. Ob sie wohl Medikamente zum Ruhigstellen bekamen?
Vielleicht gewöhnte man sich aber auch an eine solche Behandlung?
Sollte er sich auch daran gewöhnen, dass sein Herz immer wieder getreten
und verachtet werden würde?
Ich sollte es. So kann ich nicht mehr solche bitteren Enttäuschungen
erleben.
Seine Haare hingen in nassen Strähnen vor seinen Augen, sein
gesamtes Zeug war recht durchnässt.
Er sehnte sich nach Wärme, also drehte er sich um und trottete zu
'seiner' Karaoke-Bar. Arbeit war gut zum Ablenken.
Während Aiji über eine Art nachdachte, wie er Jun dazu bringen
konnte, zu erkennen, dass die Muratas ihn bestimmt nicht betrogen hatten,
klingelte es an der Tür. Manami öffnete. Neugierig spähte
Aiji zum Eingang und seine Augen weiteten sich.
"Yamamura Manami-san?"
Manami nickte schaff, weil sie sich von dem Schock nicht erholen konnte.
"Würden Sie bitte mitkommen auf das Revier? Wir hätten
da einige Frage an Sie und bräuchten Ihre Aussage betreffend Ihren
Abteilungsleiter Kato."
Manami reagierte erst nicht, bis der Polizist sie noch einmal ansprach:
"Yamamura-san?"
"Ja. Ich brauche nur Jacke und Schuhe", hauchte sie, alle Befürchtungen
in ihrer Stimme versammelnd.
"Manami?!", rief Aiji.
"Bleib hier, Aiji. Ich bin nachher wieder hier."
Hoffe ich zumindest.... klang es in ihrem Kopf.
So musste Aiji ansehen, wie Manami von dem beiden Polizisten mitgenommen
wurde. Als die Tür ins Schloss fiel, wurde ihm die plötzliche
Stille bewusst. Bevor sie ihn besiegen konnte, wählte er schnell
eine Nummer und wartete auf Antwort.
"Murata?" Das war Kohtas Stimme.
"Hier ist Aiji. Die Polizei hat gerade Manami mitgenommen!"
Stille folgte. Dann hörte Aiji, wie Kohta seinem Bruder die Neuigkeit
weitergab und der einen entsetzten Ausruf von sich gab.
"Was sollen wir jetzt tun?", fragte Aiji schließlich.
"Weiß Jun es schon?" erkundigte sich Kohta statt einer
Antwort.
"Nein, er arbeitet gerade."
"Besser wenn er es erst einmal nicht weiß. Wir sollten abwarten.
Haben Sie mitbekommen, weshalb die Polizisten Yamamura-san mitgenommen
haben?"
"Sie sagten, Manami solle eine Aussage machen." Aiji seufzte.
Manchmal wünschte er sich, Juns Kotatsu wäre niemals kaputtgegangen.
Kohta teilte es seinem Bruder mit.
Der Hörer wechselte zu Shinya und der beruhigte Aiji. "Wahrscheinlich
stimmt das, ich kann mir vorstellen, dass alle Angestellten eine Aussage
machen sollen. Vielleicht bekommen wir so auch heraus, was da eigentlich
vor sich geht."
Aiji winselte leise ,doch dann musste er zustimmend Nicken.
"Wir bleiben in Kontakt", verabschiedete sich Shinya und Aiji
beendete die Verbindung, danach sank er auf den Boden.
Takeo war im Moment wirklich das Geringste seiner Probleme.
In dem kleinen Polizei-Revier sah sich Manami ein wenig um. Alle waren
sehr freundlich zu ihr gewesen; hatten Ihr Tee und andere Getränke
angeboten. Immer wieder hatte sie von einen Beamten gehört, sie solle
sich noch einen Augenblick gedulden. Also wartete sie, mit einem dumpfen
Schmerz im Magen.
"Yamamura-san?", vernahm sie hinter sich und drehte sich erstaunt
um, mit einem "Hoshino-san?!" auf den Lippen.
Ihre Gönnerin erschien vor ihr in einem formellen Kimono und neben
ihr stand, ein wenig verlegen, ihr Enkel.
"Ishikawa-sensei!" Manami sprang auf. "Was machen Sie beide
denn hier?"
"Es scheint, dass Kato-san mein Geld veruntreut hat. Deshalb habe
ich gerade eine Aussage gemacht.", erklärte die alte Dame.
Takeo senkte seinen Kopf. "Und ich konnte Großmama doch nicht
alleine gehen lassen."
Die Dame mit den schlauen Augen betrachtete Manami. "Entschuldigen
Sie meine Offenheit, Yamamura-san. Ich bin alt und im Alter wird einem
klar, dass um etwas herumreden es auch nicht besser macht." Sie streckte
sich zu ihrer vollen Größe. "Werden Sie Aussagen, was
Ihr Kachou Ihnen angetan hat?"
Daran hatte Manami überhaupt noch nicht gedacht, da für sie
das Kapitel ihre Lebens abgeschlossen war und sie mit erfreulicherem weitermachen
wollte.
"Ich möchte es lieber nicht..." flüsterte sie. Takeos
Augenbrauen flogen hoch.
"Sie sollten, Yamamura-san. Nur so kann er dafür bestraft werden."
"Dann würde Schande auf meinen Familiennamen liegen", protestierte
die junge Frau und erkannte Schmerz in den Augen des Arztes.
Takeo schwieg. Schande kannte er nur zu gut.Er selber hatte sie lange
genug gespürt nach dem Selbstmord seiner Mutter. Allein die Verachtung
seines Vaters hatte ihn immer wieder zutiefst verletzt. Inmitten dieser
Gedanken kam der Beamte zurück und führte Manami fort.
Als Manami später wieder nach Hause gefahren wurde, war sie beruhigt.
Ihre Aussage hatte sich nur auf ihre Tätigkeiten in der Bank, ihre
Zuständigkeiten und eventuelle Beobachtungen bezüglich des Verhaltens
ihres Vorgesetzten bezogen. Es schien, dass Kato fingierte Staats-Anleihen
an wohlhabende Kunden verkauft hatte. Und er hatte die Gebühren für
die Bankkonten für jeden Kunden um ein paar Yen erhöht.
Sie hoffte, Jun könnte dazu etwas sagen, wenn sie wieder zu Hause
war. Aiji erwartet sie schon und sie gab ihm genaustens Auskunft über
ihre Aussage. Zudem erzählte sie von der Begegnung mit Takeo und
beschrieb den Schmerz in seinen Augen.
"Er bedauert es bestimmt, dass er dich hat sausen lassen. Es schien
so einsam." Schloss sie ihren Bericht, bevor sie Aiji sanft auf die
Wange küsste. Dann ging sie in ihr Zimmer, um sich hinzulegen, während
Aiji die Muratas anrief, um zu berichten. Shinya nahm ab und Aiji berichtete
ihm, was Manami erzählt hatte.
"Wir hatten vor, etwas anderes zu manipulieren. Es sollte so aussehen,
als ob er immer winzige Beträge bei Überweisungen auf sein eigenes
Konto gelenkt hätte." Shinya war froh, den Beweis zu haben und
Aiji ebenso.
"Ich hoffe, dass Jun erkennt, dass wir ihn nicht betrogen haben,
wenn er das hört."
"Ich denke schon. Aber er wird sich so schämen..." Aiji
kannte den kleineren Mann und seine Reaktionen. Er legte nach einer kurzen
Verabschiedung auf, weil Jun hereinkam.
"Jun?!"
Die tropfende Gestalt mit dem hängenden Kopf sollte wirklich Jun
sein?
"Es regnet...", murmelte der klatschnasse Ankömmling.
"Jun, gute Nachrichten. Manami ist von der Polizei verhört worden..."
"Was?!" Jun fiel fast auf von der Stufe zurück auf seine
nassen Schuhe. "Das sollen gute Nachrichten sein?"
"Dort hat sie erfahren, dass Kato die Bank und deren Kunden ganz
anders betrogen hat, als ihr es euch sich ausgedacht habt. Er hat Staats-Anleihen
fingiert und so etwas."
Jun hob eine Augenbraue. "Und das heißt?"
"Erstens, dass er wahrscheinlich sitzen wird und zweitens, dass die
Muratas dich nicht belogen haben."
Jun erstarrte, während weiter Wasser aus seinen Haaren auf das Parkett
des Flures tropfte. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er reagieren
sollte.
"Sie nehmen es dir nicht übel," versuchte Aiji ihn zu beschwichtigen.
Alles was in Juns Kopf rotierte war: Ich kann ihnen nie wieder unter
die Augen treten.
"Jun-chan? Du machst dir bestimmt Vorwürfe, aber deine Reaktion
war ganz normal."
Normal für einen Idioten, bestimmt, antwortete die sarkastische
Stimme in Juns Kopf.
"Komm, trockne dich erst mal und dann gehen wir schlafen."
Aijis Wärme und Nähe ließen Jun sich erst recht wie ein
Haufen Elend fühlen, also nickte er erbärmlich. Aiji bemutterte
ihn, bis er relativ trocken und in einem warmen Pyjama auf dem Futon lag.
Schlafen konnte er nicht, denn seine eigenen Taten verfolgten ihn in seinen
Gedanken: Was er zu Kohta und Shinya gesagt hatte. Ihre erstaunten Gesichter.
Dass er den beiden keine Chance zur Verteidigung gegeben hatte.
Er beneidete Aiji um seinen Schlaf.
"Jun?"
Also schlief Aiji nicht? "Un?"
"Mach dich nicht fertig, deswegen."
"Un."
"Das meine ich ernst, und 'un" mich nicht an."
"Aiji!"
"Ich weiß ja, dass du dich eh wieder selbst quälst, bis
es keiner mehr aushalten kann. Geh hin und entschuldige dich, dann ist
alles wieder geregelt."
"Ich weiß nicht, Aiji..." Jun rieb seine Wange am seinem
Kissen.
"Die beiden mögen dich, deshalb sei nicht so bedrückt und
entschuldige dich einfach. Und nun, Augen zu und schlaf."
Aiji zog Jun in seine Arme und drückte ihn an sich. "Gute Nacht."
Jun lächelte vorsichtig, bevor ihn die Wärme des Mannes an seiner
Seite in den Schlaf lockte.
Nach einer kurzen Nachtruhe, wurden die beiden Männer wieder von
hide zuverlässig geweckt. Aiji streckte sich und verschwand, um sich
fertig zu machen und auch Jun stand auf, auf seinem verschlafenen Gesicht
erschien, nach einigen Momenten der Verwirrung, eine Falte auf seiner
Stirn. Er wartete bis Aiji das Bad geräumt hatte und stellte sich
unter die Dusche.
Dann zog er sich schnell an und betrat dann die Küche, wo Aiji bereits
seinen Tee schlürfte. Erstaunt sah sein bester Freund auf: "Jun,
was machst du schon denn hier?"
"Ich gehe zum Laden und entschuldige mich." Jun streckte sein
kleines Kinn vor.
"Ehrlich? Das finde ich klasse." Aiji stand anscheinend kurz
davor, in Beifall auszubrechen. Jun lachte ein wenig.
Als er in der Bahn zum Laden saß, fühlte er sich schon schlechter
und die Treppen bis zum Laden musste er sich förmlich hinaufzwingen.
Angekommen er vor der Tür, schluckte er ein paar Mal, bevor er hineinging.
Verlegen stolperte er in den Laden und wurde sofort von Kohta erspäht:
"Jun!"
"Es tut mir so leid", murmelte Jun geknickt. "Ich habe
mich bescheuert benommen. Ich bin gekommen, um mich bei dir und deinem
Bruder zu entschuldigen." Er verbeugte sich sehr sehr tief und verharrte
so einen Augenblick. "Ich bitte um deine Verzeihung."
Kohta eilte zu dem kleineren Mann. "Lass das doch. Es gibt nichts
zu verzeihen."
"Das finde ich auch", hörte Jun und kam hoch. Vor ihn stand
Shinya und sah ihn geheimnisvoll an.
"Murata-san..." flüsterte Jun, und ihre Blicke kreuzten
sich.
"Sie brauchen sich nicht entschuldigen. Ich versteh, warum Sie angenommen
haben..."
Weiter kam der dunkelhaarige Mann nicht, weil er unerwartet einen Jun
um seinen Hals hängen hatte, der sich überglücklich an
ihn drückte.
"Ich bin so erleichtert!" murmelte er, vergraben an Shinyas
Hals. Der Ladenbesitzer war manchmal nicht sehr angetan von Juns Hang
zu körperlichen Zuneigungsbekundungen. Dann machte sich der kleinere
Mann von Shinya los und als nächstes fiel er Kohta um den Hals. Kohta
war wesentlich empfänglicher für solche Zuwendungen und drückte
Jun fest an sich, besitzergreifend. Aber Jun schien diese Geste einfach
zu ignorieren und taumelte aus Kohtas Armen zurück zu Shinya.
"Soll ich Ihnen heute aushelfen, wenn ich eh schon einmal hier bin?"
fragte Jun mit rosigen Wangen. Die beiden Muratas tauschten einen erstaunten
Blick.
"Ehrlich?" erkundigte sich Kohta.
"Un", nickte Jun freudig.
"Wirklich?", kam fast parallel von der anderen Seite.
"Un, wirklich."
Kohtas Grinsen hätte nicht breiter sein können, wenn er Drogen
genommen hätte.
"Klasse!", rief er aus.
Jun strahlte: Jetzt hatte er sie glücklich gemacht.
Manami fühlte sich seltsam befreit und froh in ihrer Bank, als sie
den Arbeitstag begann. Alle ihre Kollegen hatten ihr erzählt, dass
auch sie vernommen worden waren, also lastete wohl kein besonderer Verdacht
auf Manami. Es erdrückte sie keine Furcht mehr, dass sie in das Büro
des Abteilungsleiters gerufen werden würde. Sie war frei. Die Arbeit
mutete ihr dagegen wie ein Festtag an.
Sie war mit ihren Kollegen dabei, ein wenig Ordnung in die zerwühlten
und umgekrempelten Papiere in den Büros zu bekommen, als Yukio sie
nach Vorne rief.
"Manami! Hier ist jemand für dich!"
Als sie nachsehen ging, stellte sie fest, dass es ihre Gönnerin war.
"Hoshino-san!", freute sie sich. "Wie geht es Ihnen?"
"Yamamura-san, ich bin froh, Sie wohlauf zu sehen. Dann war Ihre
Vernehmung wohl nicht so schlimm?"
Manami lächelte. "Nein, gar nicht."
"Sehen Sie, ich habe all dieses Geld, das ich jetzt zurückbekommen
werde und weiß gar nicht so recht, was ich damit anfangen soll.
Würden Sie mich vielleicht beraten?" Das Lächeln auf den
Gesicht der Dame hätte man als hinterlistig bezeichnen können.
Manamis Augen wurden groß. "Was?!"
"Sie wissen doch genau, dass Sie es können." Die ältere
Dame zwinkerte sie an und Manami schüttelte den Kopf.
"Kommen Sie, besprechen wir das in einem Büro", schlug
Manami stimmlos vor. Als die beiden alleine waren, platze Manami heraus:
"Das kann doch nicht ihr Ernst sein!!"
"Kindchen, ich meine es sehr ernst. Sie sollten Ihr Licht nicht so
unter den Scheffel stellen. Sie und Ihre Kollegen wurden doch auch ausgebildet,
um sich um Vermögensbildung zu kümmern, oder? Und nach allem,
was Sie mir im Krankenhaus darüber erzählt haben, scheinen Sie
mir kompetent genug dafür zu sein."
Schulterhebend schüttelte Manami den Kopf: "Lassen Sie mich
noch einmal darüber nachdenken." Was ihre Gönnerin zu einem
kleinen Lachen bewegte. Anschließend wurde die ältere Frau
ernst.
"Ich bedaure, dass Takeo dem Freund von ihrem Bruder einen Laufpass
gegeben hat, Yamamura-san. Ich hatte stark gehofft, er würde endlich
anfangen, sein Leben zu genießen."
"Aiji geht es auch nicht so gut mit der Entscheidung ihres Enkels.
Aber er hält sich tapfer." Manami dachte an die zögerlichen
Lächelversuche des schlanken Mannes. Die ältere Dame schabte
verächtlich: "Takeo weiß manchmal selber nicht, was er
tut. Alles dieses 'ich bin nicht gut für andere' kann ich
nicht mehr hören." Fr. Hoshino kräuselte die Nase.
"Meinen Sie, Aiji sollte es noch einmal bei Ihrem Enkel versuchen?"
Die Dame lachte. "Nicht nur versuchen. Am besten er schlägt
ihm einen Baseballschläger über den Schädel und verschleppt
ihn, solange er ohnmächtig ist."
Manami blinzelte verblüfft..
"Sicher soll er es noch einmal versuchen. Wenn er sich mit diesem
Sturkopf überhaupt noch einmal abgeben will."
Manami grinste plötzlich. "Ich kann ihn ja mal fragen..."
"Würden Sie das tun?"
"Ja, das werde ich." Manami und ihre Gönnerin sahen sich
mit einem verschwörerischen Lächeln an, bevor beide Frauen mädchenhaft
zu kichern begannen.
Zufrieden fuhr Jun wieder nach Hause.
Noch einmal bei den Muratas zu arbeiten war ihm leichtgefallen und er
hatte sich irgendwie behaglich gefühlt. Fast wie ein zweites zu Hause.
Er grinste einfach ein wenig und schüttelte den Kopf. In seinem Kopf
war wieder diese Melodie, die er schon am Tag zuvor niedergeschrieben
hatte. So stetig, manchmal ein wenig verwirrend, nur um in Harmonie zurückzufließen.
Fast wie seine Begegnung mit den Muratas.
Oder eher, die mit Shinya Murata.
Die Ohnmacht, das plötzliche Erwachen, der Zusammenstoss ihrer Köpfe,
das war schon recht verwirrend gewesen.
Aiji hatte ihn gefragt, ob es Liebeskummer sei und er hatte zugeben müssen,
dass er es nicht wusste. Als Koji gegangen war, hatte er sich anders gefühlt.
Auch bei seinen Liebhabern vorher...
Er hatte sie immer anziehend gefunden und wenn sie weg waren, hatte er
sie vermisst. Manchmal hatte er lange geweint, aber er hatte sich nie
so verwirrt gefühlt. Die Melodie in seinem Kopf folgte seinen Gedanken
und wurde ein verwaschenes Mischmasch.
Jun seufzte.
Kohta dachte über seinen Bruder nach.
Er hatte ihn den Tag über beobachtet und seine eigenen Schlüsse
gezogen, nach dem er Shinyas Verhalten an den Tagen, an denen Jun nicht
bei ihnen war mit dem des derzeitigen Tages verglich. Shinya hatte mehr
gelacht, entspannter gearbeitet und Kohta besser behandelt als sonst.
Auch wenn seine Augen und sein Gesicht unlesbar waren, Kohta merkte es
doch. Die heimlichen Blicke. Das unbewusste Heben der Mundwinkel, wenn
Jun grinste.
Warum habe ich das nicht früher bemerkt? fragte er sich. Weil
ich zu sehr in meine eigenen Gefühle eingewickelt war. Aber nun sehe
ich es.
Er erhob sich von dem Kissen, auf dem er gerade nachdenklich gesessen
hatte, während der Fernseher flackerte und schritt langsam in die
Werkstatt, in der sein Bruder noch arbeitete. Dei dunkelhaarige Gestalt
war vertieft und wie immer seriös.
Kohta erinnerte sich an all die Gelegenheiten, in denen Shinya ihm aus
der Patsche geholfen hatte, zu ihm gestanden hatte. Immer dafür gesorgt
hatte, dass Kohta glücklich war. Er liebte seinen Bruder dafür.
Nun war es an ihm, das Gleiche für seinen Bruder zu tun.
"Ich bin wieder da~" rief Jun, als er das Apartment betrat.
Manami kam zu ihm. "Wo warst du denn?"
"Bei den Muratas... Habe ihnen ein wenig geholfen." Jun schlüpfte
aus seinem Winteroutfit.
"Man könnte fast meinen, du wärst verknallt in einen der
beiden", bemerkte seine Schwester scherzhaft, während Jun errötete.
Dann aber legte sich ein desorientierter, beinahe schmerzlicher Ausdruck
auf das hübsche Gesicht und Manami stockte. "Jun? Bist du etwa
tatsächlich...?"
"Ich weiß es einfach nicht..." murmelte er verstört.
"Ich bin so durcheinander."
Sie faltete ihn in ihre Arme ein: "So ist das manchmal, Jun. Ab und
zu fragt das Herz den Kopf einfach nicht um Erlaubnis."
Die Worte sackten langsam in Juns Verstand, während er die Wärme
der Umarmung aufsog.
Noch bevor Aiji zu ihnen gekommen war, war es an der Zeit für Jun
zu seiner Bar aufzubrechen. Manami küsste ihn auf die Stirn und gab
ihm ein: "Denk darüber nach" mit auf den Weg, als Jun die
Tür hinter sich geschlossen hatte, schüttelte sie den Kopf.
Männer und die Liebe...
Erst Koji und Jun, dann Aiji und Takeo und nun schon wieder Jun... Kein
Wunder, dass sie sich nie verliebte, sie hatte ja immer genug mit den
Liebesproblemen ihrer beiden Männer im Haus zu tun. Sie lachte trocken
und kehrte ins Wohnzimmer zurück, um ein wenig unter dem Kotatsu
zusammengerollt zu lesen. In dem Moment, als sie sich es bequem gemacht
hatte, klingelte es an der Tür und sie vermutete, dass es Aiji war.
Zu recht. Der hochgewachsene Mann erschauerte und kam mit klappernden
Zähnen herein.
"Ist echt kalt draußen jetzt. Aber klar", informierte
er Manami. Dann huschte er so schnell wie möglich ins Wohnzimmer
und vergrub sich ebenfalls unter dem beheizten Tisch. Die junge Frau war
so großzügig und brachte ihm einen grünen Tee, den er
gierig zwischen die kalten Finger klemmte.
"Hoshino-san war heute bei mir," begann Manami unvermittelt.
Aijis Augenbrauen zogen sich zusammen und er sah nicht gerade glücklich
aus. "Sie meinte, dass ich dich etwas fragen sollte."
Lange starrte Aiji in seine Teetasse und knibbelte an seinen Lippen. Mit
Mühe fragte er schließlich: "Und was?"
"Sie sagte, dass Takeo ein Sturkopf sei und sie sich nicht vorstellen
könnte, dass du es noch einmal mit ihm versuchen würdest. Also
soll ich dich fragen: Würdest du es noch einmal mit ihm versuchen
wollen?"
Der Angesprochene reagierte nicht.
"Er ist einsam und verletzt sich immer selbst dadurch, dass er alle
wegschickt, die ihm nahe kommen. Hoshino-san war so froh, als sie von
dir hörte und ich sagte, dass du wahrscheinlich den größeren
Dickkopf hättest."
Aiji blickte auf.
"Was soll ich denn tun?", flüsterte er.
"Mit ihm reden, Hoshino-san schlug vor, ihn ohnmächtig zu schlagen..."
Ein erstaunter Ausdruck legte sich über Aijis Gesicht.
"Gib nicht auf, Aiji. Ich werde dir beistehen," versicherte
sie ihm.
Mit entschlossenem Nicken sagte er: "Ein Versuch ist es Wert. Aber
wie komme ich an ihn ran?"
"Sag mal, könnte es nicht sein, dass dein Zustand sich plötzlich
verschlechtert?", erkundigte sich Manami mit Unschuldsgesicht.
"Was?" Aiji zog verwirrt seine Augenbrauen hoch.
"Ich meine, vielleicht brauchst du einen Arzt?" Sie grinste
schelmisch. Aijis Augen leuchteten auf. Dann verstellte er seine Stimme
in einen leidenden Ton: "Ich fühle mich viel schlechter als
noch vor einer Minute. Ich brauche einen Arzt."
Als sein Pieper lospiepte reagierte Takeo verärgert. Er war doch
gar nicht mehr im Dienst.
Er rief die Nummer an, die auf dem Display angezeigt wurde und wurde von
einer panischen Stimme überrollt: "Ishikawa-sensei, wir haben
hier einen Notfall."
"Was ist denn mit den anderen Ärzten?", grummelte er.
"Diesen Fall können nur sie behandeln! Beeilen Sie sich."
Damit legte die Schwester auf. Mit einem sehr verdrießlichem Gesicht
eilte er in die Ambulanz, dabei zog er sich seinen Kittel über.
"Ich hoffe, es ist wirklich dringend" maulte er die Schwester
an, die ihn in einen Untersuchungsraum wies.
"Das ist es, Sensei. Nur Sie können diesem Patienten helfen"
versicherte ihm die Schwester. Anderes Pflegepersonal sah er auch, alle
schienen maßlos erheitert. Irgendetwas stimmte nicht.
Er wurde fast in den Untersuchungsraum gestoßen, verwundert und
ein wenig böse sah er auf die geschlossene Tür, während
er endlich ein Blick auf das Krankenblatt warf. Dieser Name...
"Hallo Takeo" begrüßte ihn eine ihm wohlbekannte
Stimme.
"A...Aiji..." stammelte er. "Was machst du denn hier?"
"Ich hatte plötzlich wieder Schmerzen. Du hast doch gesagt,
dann sollte ich wiederkommen." Der Mann saß auf der Untersuchungsliege
und ließ seine langen Beine baumeln.
"Wo?" presste der Arzt heraus. Aiji zeigte daraufhin mit leidendem
Gesicht auf seine linke Brustregion.
"Hier tat es auf einmal weh. Ich kann es einfach nicht ertragen.
Bitte helfen Sie mir, Doktor." Zögerlich näherte sich der
Mediziner seinem Patienten, der wiederum jede Bewegung verfolgte.
"Tut es beim Atmen weh?", erkundigte sich Takeo mit eher ungehaltnem
Tonfall.
Aiji nickte erbärmlich. "Beim Atmen, beim Stehen, beim Liegen...einfach
immer."
"Mach dich bitte Obenrum frei..." Takeo versuchte seine Stimme
normal klingen zu lassen. Während er Aiji dabei beobachtete, wie
dieser seinen Oberkörper enthüllte. Die breiten Schultern, wohlgeformt
durch seine frühere Schwimmleidenschaft, die leicht muskulösen
Oberarme... Takeo ignorierte das gut er konnte und beugte sich vor..
Warum war in diesem Behandlungsraum eigentlich nicht mehr Licht? Die blauen
Flecke sahen aus, als würden sie sich gut zurückbilden.
"Bist du sicher, dass es dir wehtut?" erkundigte sich der Arzt.
"Ja und es wird schlimmer."
"Seit wann hast du diese Schmerzen?"
"Seit drei Tagen."
Takeo fuhr hoch und sah sich mit dem Blick des anderen Mannes konfrontiert.
"Was meinen Sie, Doc?" fragte Aiji. Takeo schwieg, leckte sich
nur nervös die Lippen. "Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt,
an dem ich dich niederschlagen und mitschleppen sollte, wie deine Großmutter
es vorgeschlagen hat."
Pures Erstaunen auf Takeos Gesicht, als er "Was?" rief.
Aiji kicherte erst, doch dann wurde er ernst. "Es ist mir egal, ob
du meinst, du wärst nicht gut für mich. Ich will dich."
Takeo starrte den hübschen, halbnackten Mann vor sich an. Die Worte
waren so warm wie Sonnenschein und so tief wie der Ozean und doch schob
er sie fort.
"Aiji, du weiß nicht, worauf du dich mit mir einlässt."
"Pah. Und du weißt es nicht bei mir. So ist das halt",
belehrte er den älteren Mann. "Ich werde unausstehlich sein
manchmal und dich um den Verstand bringen. Dann werde ich wieder alles
sein, was du dir wünscht..." Aiji streckte seine Arme aus: "Aber
ich werde dich niemals Alleinlassen."
Er ergriff Takeos Schultern und krallte sich in sie. Sein Blick senkte
sich: "Wirst du das auch für mich tun?"
Einige Zeit war es still in dem Raum mit dem schwachen Licht.
Dann durchbrach ein geflüstertes "Ja" alle Schatten. Mit
erneuerter Dringlichkeit umschlangen die Arme des Arztes Aiji, anschließend
trafen ihre Lippen sich, als hätten sie sich nie getrennt. Immer
und immer wieder neckten sie sich in den nächsten Kuss.
"Außerdem..." murmelte Aiji zwischen den Lippenkontakten.
"Ist da....noch ein....Versprechen...."
Er zog den Mann an seinem weißen Kittel noch näher an sich,
weitete seinen Mund und kostet den nächsten Kuss bis zur Atemnot
aus. "....das du halten musst" endete Aiji schließlich,
während Takeo noch um Luft rang. Mit einer Bewegung seiner Hüfte
gegen Takeos machte er klar was er damit meinte.
"Oh...das..." murmelte der Arzt. Dann löste er sich von
Aiji, zog ihn von der Liege und mit sich. Grinsende Leute säumten
ihren Weg.
Aiji vermeinte leise: "Gut gemacht!" und "Viel Glück."
Wünsche zu vernehmen, aber der Arzt schein genau zu wissen, wo sie
hinmussten und hielt nicht an. Er wickelte Aiji ein seinen Arztkittel
und platzierte ihn auf dem Beifahrersitz seines Wagens.
Dann beugte er sich zu deinem Beifahrer und küsste ihn hart und entschlossen.
"Ich habe meine Versprechen bis jetzt immer gehalten", sagte
er, bevor er auf der anderen Seite einstieg und losbrauste.
Jun kam in das Apartment und stellte sein Bad an, bevor er bemerkte, dass
sein Futon leer war. Irgendwie machte er sich Sorgen um seinen besten
Freund, als schlich er zu seiner Schwester: "War Aiji gar nicht hier?"
fragte er.
Manami blinzelte ihn erst schläfrig an, dann grinste sie bescheuert.
"Doch, doch. Du solltest dir keine Gedanken machen, Jun. Ich glaube,
der ist heute nacht gut aufgehoben"
"Was meinst du damit?" Jun kratzte sich am Hinterkopf.
"Takeo," war alles was seine Schwester sagte, bevor sie sich
umdrehte und wieder einschlummerte.
Jun verharrte einen Augenblick um diese Nachricht sacken zu lassen. Dann
breitete sich das gleiche dämliche Lächeln auch auf seinem Gesicht
aus und er verschwand, wobei er beinahe kichern musste, bevor er in sein
heisses Bad stieg.
"Shinya!"
"Was willst du, Kohta? Es ist spät..." Der dunkelhaarige
Mann grummelte und versteckte sich unter seinem Futon.
"Liebst du Jun?"
Sofort schoss der Kopf wieder hervor. "Was?!"
"Du liebst ihn." Kohta triumphierte.
"Was redest du denn da? Natürlich liebe ich ihn nicht, wie kommst
du nur auf so eine Idee?"
Der Blonde ließ sich auf das Futon seines Bruders fallen. "Weil
du es tust."
"Kohta, rede keinen Blödsinn. Ich kann ihn gar nicht lieben.
Ich kenne ihn doch erst seit ein paar Tagen. Das reicht nicht, um jemanden
zu lieben." Shinya schüttelte den Kopf.
"Zeit spielt keine Rolle. Man kann jemanden schon nach einem Augenblick
lieben..." gab Kohta zu bedenken. Sein Bruder wurde still und starrte
ins Leere, mit einem Gesichtsausdruck, der beinahe traurig wirkte.
Jun auf seinem Fußboden, ohnmächtig. Jun der sich verbeugte.
Seine Augen, sein Lächeln...seine Stimme...
Die Arme um seinen Hals geschlungen.
Als Shinya wieder zu sich kam, war Kohta verschwunden. Er legte sich hin
um wieder zu schlafen, da erst bemerkte er die Tränen in seinen Augenwinkeln.
Morgens klingelte es an der Tür, als Manami und Jun noch schliefen.
Der verwuschelte schwarze Kopf kam unter dem Futon hervor, bevor Jun,
nur im Pyjama, zur Tür wankte. Aiji, vermutete er. Wollte der nun
mit seinen Sexabenteuern angeben? Dafür war Jun wirklich nicht in
der Verfassung.
Aber vor der Tür stand. "Kohta-kun?!"
Der Blonde kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Die frühe Störung
tut mir wirklich leid."
Jun schüttelte den Kopf: "Ist etwas passiert?"
"Nein, aber ich muss dringend mit dir reden."
Jun ließ Kohta herein, platzierte ihn im Wohnzimmer, stellte schnell
Teewasser an und hüpfte dann in sein Zimmer, um sich etwas anzuziehen.
Als er angezogen und mit Tee zurück kam, sah Kohta ihn irgendwie
traurig an. Vielleicht ist doch etwas passiert? dachte Jun besorgt.
"Also, was gibt es Kohta?"
"Glaubst du an Schicksal, Jun?"
"Nö, eigentlich nicht. Warum?"
"Ich ja." Kohta nahm einen Schluck Tee. "Was meinst du,
weshalb der Kotatsu gerade kaputt gegangen ist, als ich nicht in Tokyo
war?"
"Er war schon vorher kaputt, nur Koji hat ihn nicht repariert"
erinnerte sich Jun.
"Und du hast ihn beim Fremdgehen erwischt, genau an nächsten
Tag kommst du in die Werkstatt meines Bruders. Ist das Zufall?"
"Ich denke schon..." murmelte Jun.
"Mein Bruder, der normalerweise nicht so reagieren würde, erlaubt
dir deine Schulden abzuarbeiten. Manami bricht zusammen, das alles schweißt
euch enger zusammen. Auch alles Zufall?"
Jun hob die Schultern, doch Kohta schüttelte traurig den Kopf. "Nein.
Ich glaube, letztendlich hat das Schicksal uns alle an die Hand genommen."
Jun sah ein wenig verwundert aus. "Und wenn? Wozu das alles?"
"Um euch glücklich zu machen." Das Statement war beinahe
sachlich.
"Hä?" Jun rückte näher zu seinem Gast. "Wen
glücklich zu machen?"
"Shinya...Shinya und dich." Kohtas Ausdruck war wieder traurig.
"Was...was...meinst..." Weiter kam Jun nicht.
"Shinya liebt dich, Jun. Er liebt dich seitdem du auf seinem Boden
ohnmächtig warst."
Jun fühlte sich kurz davor, einfach umzufallen und schlaff liegen
zu bleiben. "...." war alles was seinen geöffneten Lippen
entkam.
"Aber er wollte mich nicht verletzen, also hat er sich zurückgehalten
und mir den Vortritt gelassen" Kohta legte seine Hände auf Juns
Schultern und sah den kleineren Mann lange und feierlich an. "Aber
es war nicht richtig. Das Schicksal hat dich nicht geschickt, um mich
glücklich zu machen."
Jun schüttelte energisch den Kopf. "Was redest du denn da, Kohta?
Findest du, dass ich besonders glücklich aussehe?"
Kohta studierte ihn kurz mit einem liebevollen Blick, dann lächelte
er. "Nein."
"Siehst du."
"Aber nur, weil du dich dem Schicksal entgegenstellst, Jun",
erklärte der Blonde.
Jun schwieg.
Auf dem Flur überlegte Manami, ob sie den beiden Männer sagen
sollte, dass sie alles gehört hatte. Aber sie entschloss sich dagegen.
"Liebst du Shinya?" Kohtas Frage traf Jun wie ein Schlag. Der
Angesprochene schluckte und begann mit seinen Händen zu spielen.
"Jun?", fragte Kohta nach.
"Ich weiß es nicht, Kohta. Ich weiß es nicht," platzte
es aus dem kleinen Mann hervor.
"Was fühlst du dann für ihn?"
Jun quälte wieder seine Lippen mit seinen Zähnen.
"Was geht in dir vor, wenn du ihn ansiehst? Wenn du ihn umarmst?"
drängte Kohta.
Ja, was? Was nur?
"Wow..." murmelte Jun fast stimmlos.
"Wow?"
"Un..." Sein Blick hob sich zu Kohtas Augen: "Wow. Es schaltet
alles andere aus."
"War es schon mal bei einem anderen so?"
Jun verneinte sehr, sehr leise.
"Du musst zu ihm gehen, Jun. Er braucht dich und ich denke, in ihm
geht auch nur wow! vor, wenn du da bist. Er arbeitet besser, er
ist fröhlicher, zugänglicher und kommt aus sich heraus. Shinya
braucht dich." In Kohtas Stimme eine schwang eine seltsame Dringlichkeit,
die Juns Herz rasen ließ.
"Willst du unglücklich bleiben?" hörte er von Kohta.
Für immer so? Das Herz schwer und voller unausgesprochener Sehsucht?
"Weiß nicht..."
"Willst du, dass Shinya unglücklich bleibt?"
Jun zuckte zusammen. "Nein!"
"Dann geh zu ihm!"
"Aber...was soll ich sagen?" Jun fühlte, wie sein Mund
immer trockener wurde und sein Blut durch seine Arterien raste.
"Das spielt keine Rolle, Jun. Das ist wirklich egal. Du wirst das
Richtige sagen. Vertrau auf das Schicksal."
Jun fühlte, wie ihn eine Art Panik ergriff. Brauchte ihn Shinya wirklich
so dringend? Dann musste er sich beeilen.
Er sah sich um, irgendwie desorientiert, dann sprang er auf. Als er zu
seinen Schuhen rannte, lief Kohta hinterher.
Er sah, wie sich der dunkelhaarige Mann seine Schuhe überstriff,
aber dann ohne Jacke aus der Tür jagte. "Deine Jacke, Jun!"
rief er hinterher, aber der hörte nicht mehr.
Verloren stand Kohta im Flur, seine Hand ausgestreckt, wie um nach Jun
zu greifen.
"Viel Glück..." murmelte er leise, bevor er eine Hand auf
seiner Schulter spürte, Ein wenig erschreckt drehte er sich um.
Da stand Jun Schwester und lächelte ihn wissend an.
"Was man nicht alles tut, damit die Geschwister glücklich sind,
nicht wahr?"
Der Blonde nickte, dann begann er zu weinen, während Manami ihn umarmte.
Jun bemerkte die Kälte nicht.
Er bemerkte die belustigten und verwunderten Blicke der anderen Leute
nicht, als er nur mit einem Pullover bekleidet durch den kalten Tag in
Tokyo lief. In der Bahn fühlte er sich unruhig und lief auf und ab.
Shinya brauchte ihn. Immer wieder überkam ihn Unsicherheit. Oh,
bitte lass mich das Richtige sagen.
Aber dann hatte er wieder das Gefühl, dass er gebraucht wurde und
das trieb ihn an. Er rannte, so schnell er konnte den altbekannten Weg
zu dem kleinen Shop. Noch war er gar nicht geöffnet, fiel ihm ein,
dennoch flog er die steilen Treppen hinauf, keuchend.
Die Tür lehnte an. Kohta! schoss es durch seinen Kopf.
Er öffnete und rief: "Murata-san?" Darauf lief er hinein.
"Murata-san?"
Jun sprintete in die kleine Werkstatt, da war er auch nicht. Als er sich
umdrehte, stieß mit seiner gesamten Energie gegen einen warmen Körper,
der zurücktaumelte. Jun nahm wahr, dass es Shinya war und dass dieser
sich den Kopf am Türrahmen anschlug. Sofort danach sackte der Ladenbesitzer
zusammen und blieb ruhig liegen.
Panik ergriff Jun.
In der Küche befeuchtete er ein Tuch und legte es auf Shinyas Stirn.
Was habe ich da bloß wieder angerichtet?
Die Lider seines Opfers flatterten leicht, dann schlug es die Augen auf
und kam ohne Vorwarnung hoch. Jun konnte nicht mehr ausweichen und ihre
Stirnen prallten aneinander.
"Au!"
Über die kleine Beule reibend studierte Jun jetzt seinen ehmemaligen
Chef. Wieder war es da, dieses Wow!-Gefühl.
"Yama..." Jun schüttelte den Kopf und Shinya schwieg. Er
untersuchte kurz die Stirn seines Gegenübers, dann legte er den Kopf
schräg. "Alles in Ordnung?"
Shinya nickte stumm, also lehnte Jun den Mann gegen den Türpfosten,
bevor er endlich loslachte. Der sonst so seriöse Shinya lachte ebenfalls.
Sie konnten überhaupt nicht mehr aufhören, bis sie schließlich
nebeneinander zwischen Werkstatt und Laden auf dem Boden lagen und nach
Atem rangen. Shinya japste erstaunt, als Jun sich ohne Vorwarnung halb
auf ihn drauf rollte.
"Yamamu..." Wieder wurde er gestoppt, diesmal von einem schlanken
Finger, der sich auf seine Lippen legte.
"Jun," beharrte der Mann über ihm.
"Jun..." flüsterte Shinya, beinahe ehrfürchtig und
wurde mit einem liebevollen Lächeln belohnt. Das Wow-Gefühl
machte Jun betrunken, also robbte noch ein wenig höher und nahm seinen
Mut zusammen. Er beugte sich vor und bedeckte die vollen Lippen mit seinen
eigenen. Shinya spürte die Wärme, die Sanftheit und die Fragen
in diesem Kontakt.
Er beschloss sie zu beantworten, in dem er seinen Mund öffnete und
Jun selbst nach den Antworten forschen ließ. Und Jun war dabei sehr
gründlich, denn das Wow-Gefühl steigerte sich um ein Vielfaches
und er konnte nicht mehr klar denken.
Ein Räuspern unterbrach die beiden bei ihrem Nonverbalen Austausch.
Unwillig löste sich Jun von Shinyas Lippen und sah auf.
"Entschuldigen Sie, ich wollte meinen Kotatsu abholen," erklärte
die Dame, die in den Laden getreten war.
"Einen Moment..." krächzte Jun mit atemloser Stimme.
Er erhob sich und half seinem Partner auf die Beine. Noch bevor er etwas
tun konnte, wurde er von Shinya in die Werkstatt gezerrt, wo er begann,
Juns Kinn mit kleinen Küssen zu bedecken.
"Nur noch einen Moment...." presste Jun mit heiserer Stimme
hervor, bevor er an seinem Ohr eine Zunge fühlte.
Die Dame lachte ein wenig und rief: "Ich komme später wieder."
Als sie weg war, murmelte Jun trunken: "Kunden so zu behandeln ist
nicht gut fürs Geschäft..."
Der andere Mann hielt inne, dann lehnte er sich zu Juns Ohr und flüsterte:
"Ich weiß. Aber ich kann nicht anders." Er küsste
Jun noch einmal mit Ausdauer und Raffinesse.
"Shinya?" keuchte Jun, als er seinen Mund wieder für sich
hatte.
"Hm?"
Schon folgte die nächste Attacke auf seine Lippen, doch Jun drängte
den Mann zurück: "Bist du glücklich?" Der Ausdruck
der Verwunderung auf dem Gesicht seines Partners wurde zu einem breiten
Lächeln.
"Und du?", erwiderte Shinya die Frage.
Jun lachte und zog dne Auslösers des Wow-Gefühls wieder an sich.
"Mehr als ich es in Worte fassen könnte im Moment."
"Dann lass das Reden und küss mich dafür," schlug
sein Partner vor, als Reaktion spürte Shinya wie Jun an seinem Ohr
grinste.
"Un."
Genkan = Stufe vor den eigentlichen Wohnbereich
Ende
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