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Challengeantwort
Eiserne Bande Nika

Es war einmal ein König, der hatte nur eine einzige Tochter, die er mehr liebte als alles andere in der Welt. Daher gab er ihr alles, was sie sich auch wünschte.

So wuchs sie auf, verwöhnt und umhegt, kannte weder Mangel noch unerfüllbare Sehnsucht.

Ihr liebstes Spielzeug war eine goldene Kugel, welche der König ihr geschenkt hatte. So spielte sie mit dem in der Sonne, warf ihn in die Luft und freute sich an dem Glitzern.

Während ihres Spiels geriet sie auch in den schattigen Teil des Gartens, in dem ein See angelegt worden war, damit sie sich an den Seerosen erfreuen konnte. Und ausgerechnet in diesen See fiel der goldene Ball.

Die Prinzessin kniete sich neben den Teich, konnte aber die Kugel im Wasser nicht sehen. Nur mit Widerwillen fasste sie in das kühle Wasser, aber ertasten konnte sie ihr Spielzeug auch nicht. Da begann sie bitterlich zu weinen.

"Warum weint Ihr denn, Königstochter?", vernahm sie eine Stimme, die sie nicht kannte. Als ihre Tränen getrocknet hatte und sich umsah, konnte sie keinen Menschen sehen.

"Hier unten im Wasser bin ich, Prinzessin", sagte die unbekannte Stimme. Sie blickte in den Teich und erblickte im flachen Wasser einen grünen Frosch. Mit einem Schrei sprang sie zurück.

"Habt keine Angst, ich kann Euch helfen", erklärte er. "Ich kann Euch Euer Spielzeug zurückbringen."

Die Prinzessin näherte sich wieder dem Teich. "Das könntest du?"

"Aber ich verlange eine Gegenleistung für meine Dienste." Der Frosch harrte ihrer Antwort.

"Was verlangst du?"

"Nur einen kleinen Kuss, Euer Hoheit, mehr nicht."

Der Gedanke daran, einen kalten, nassen Frosch zu küssen, ekelte sie so sehr, dass sie ausrief: "Einen Kuss? Niemals!"

"Dann werdet ihr Euren Ball nicht zurück bekommen, Prinzessin." Der Frosch drehte sich um und verschwand im Wasser.

Da wurde die Königstochter wütend. "Was maßt du dir an, Frosch? Ich bin die Tochter des Königs, du musst tun was ich dir sage. Bring mir meine Kugel zurück!"

Doch das Wasser rührte sich nicht und der Frosch blieb verschwunden. Niedergeschlagen und wütend, kehrte die Prinzessin ins Schloss zurück. Sie verriet keinem, dass sie ihr liebstes Spielzeug verloren hatte.

In der Nacht aber, musste sie immer wieder an ihren schönen goldenen Ball denken, und wie traurig ihr Vater sein würde, wenn sie ihm von ihrem Unglück erzählte.

So nahm sie ihren Mut zusammen und ging am nächsten Tag wieder zu dem Seerosenteich und rief den Frosch: "Lieber Frosch, ich bitte dich, bring mir meine Kugel zurück. Ich will auch deine Bitte erfüllen."

"Wirklich?", fragte der Frosch, der unter einem Seerosenblatt gelauscht hatte. "Schwört Ihr es, beim Leben Eures Vaters?"

Die Prinzessin zögerte, denn sie hatte nicht vorgehabt, die Bedingung zu erfüllen, sondern schnell in den Schutz des Schlosses zu flüchten, sobald sie den Ball wieder in den Händen hielt. "Ich schwöre, beim Leben meines Vaters."

"Einverstanden." Der Frosch verschwand im Wasser und tauchte kurz darauf am Ufer wieder auf, dabei schob er den goldenen Ball aus dem Wasser.

Überglücklich nahm die Prinzessin ihre geliebte Kugel an sich und lief zurück in das Schloss. Sie vergaß den Frosch einfach.

Aber als sie abends am Tisch mit ihrem Vater und dem restlichen Hofstaat zum Abendmahl danieder saß, erklang plötzlich die Stimme des Frosches. "Ihr habt aber eine schöne Art, Eure Versprechen zu halten, Königstochter. Dabei gabt Ihr Euren Schwur doch beim Leben Eures Vaters."

die Gespräche am Tisch verstummten und alle sahen die Prinzessin an. Auch ihr Vater. "Mein Kind, wer ist es, der diese Vorwürfe gegen dich vorbringt?"

"Niemand, Vater." Die Prinzessin bemühte sich, den Frosch mit ihrem Schuh weit weg zu schieben.

"Euer Majestät, ich bin hier unter dem Tisch!", rief der Frosch dem König zu, der daraufhin wenig königlich unter den Tisch schaute.

"Eure Tochter versprach mir einen Kuss für meine Dienste, aber bislang blieb meine Belohnung aus", erklärte der Frosch.

Der König schwieg zuerst erstaunt, dann wandte er über dem Tisch sich an seine Tochter: "Spricht dieser Frosch die Wahrheit?"

Der raue Ton des Vaters war neu für die Königstochter, woraufhin sie es nicht wagte, zu lügen. "Ja, Vater. Ich gab ihm mein Wort."

"Du gabst ihm dein Wort bei meinem Leben, also wirst du es auch halten", befahl ihr Vater donnernd. "Nur weil er ein Tier ist, bedeutet dies nicht, dass es dich von deiner Schuld entbindet."

Am Tisch entstand ein erstauntes Gemurmel.

"So hebt mich dann zu Euch, Prinzessin", sagte der Frosch fröhlich.

Voller Abscheu nahm die Königstochter ihn auf die Hand. Sie spürte die Blicke des Hofstaates auf sich, doch konnte sich nicht überwinden, das Tier zu küssen.

"Ich nehme Euch mit in meine Gemächer, dort sind wir ungestört", sagte sie dem Frosch, der damit einverstanden war. Kaum war sie in ihrem Schlafgemach, setzte sie ihn schnell auf ihren Nachttisch und wusch ihre Hand. Danach setzte sie sich in einen bequemen Sessel und schlug ein Buch auf, um zu lesen.

"Wollt Ihr Euch wieder Eurer Pflicht entziehen, Königstochter?", fragte der Frosch. "Was wird Eurer Vater dazu sagen, dass Ihr Euer Wort nicht haltet, nicht einmal einem einfachen Frosch gegenüber?"

Mit großem Ekel näherte sie sich dem Frosch. Sie setzte sich auf ihre Bettkante und beugte sich zu dem Frosch, küsste die Luft über ihm, doch er sprang einfach gegen ihre Lippen.

Als sie sich entsetzt zurückzog, gab es einen lauten Knall, einen hellen Blitz, und wo eben noch der Frosch gewesen war, stand nun ein schöner, junger Mann in prunkvoller Kleidung.

Verwundert und erfreut blickte die Prinzessin ihn an, denn er gefiel ihr ausnehmend gut.

Der junge Mann verbeugte sich kurz vor ihr und erklärte: "Ich bin Prinz Wilhelm. Ich war verflucht, in der Gestalt eines Frosches leben zu müssen, bis eine Maid mich küsst. Ich danke Euch für meine Befreiung. Nun, da ich befreit bin, werde ich Euch nicht länger zur Last fallen."

Der laute Knall hatte den Hofstaat in Bewegung gebracht, der schon begierig auf Neuigkeiten aus dem Gemächern der Prinzessin gewesen war. So öffneten sie die Türen, allen voran der König.

Auch vor ihm verbeugte sich der junge Königssohn.

Die Prinzessin aber war aufgesprungen und zu ihrem Vater gelaufen. "Vater, das hier ist Prinz Wilhelm, den ich heiraten werde."

Da der Prinz dem König auch gefiel, und er seiner Tochter jeden Wunsch zu erfüllen suchte, stimmte er zu. "So soll es denn sein."

Alle Widerworte, die der Prinz anbringen wollte, gingen im Jubel des Hofstaates unter. Das frischverlobte Paar wurde in den Speisesaal gedrängt, wo Wein serviert wurde.

Doch inmitten der Feierlichkeiten brachten die Wachen einen Fremden, den der Prinz sofort erkannte. "Heinrich!", rief er freudig aus.

Heinrich fiel vor ihm auf die Knie und beugte sein Haupt, ergriff die Hand des Prinzen und drückte diese an seine Lippen, bevor er sprach: "Endlich seid Ihr erlöst, mein Prinz."

"Heinrich, ich habe dich so lange warten lassen. Verzeih mir", bat der Prinz.

Der Prinzessin sagte er: "Auch wenn ich Euch meine menschliche Gestalt verdanke, heiraten kann ich Euch nicht, da mein Herz meinem Diener Heinrich gehört."

Gemeinsam traten Herr und Diener vor den König und verbeugten sich, bevor sie den stillen Saal verließen, ohne einen Blick zurück zu werfen.

Noch bevor sie das Schloss verließen, hörte der Prinz ein metallisches Geräusch, gerade so, als ob ein Rad brach. "Was war das, Heinrich?", fragte er.

"Das war nur das Eisenband, welches ich während Eures Fluches um mein Herz geschmiedet hatte, damit es nicht zerbrach. Da ich nun so glücklich bin, hat es sich gelöst."

Der Prinz ergriff Heinrichs Hand. "Ich bin froh, dich wieder zu haben, denn mehr brauche ich nicht", sagte er. Vor dem Schloss wartete eine Kutsche, die sie aus dem Königreich und nach Hause brachte. Auch wenn der Prinz niemals König wurde, so lebte er doch glücklich zusammen mit seinem Heinrich bis an ihr Ende.

   
 
 

 

 

 
     




 

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