bibliothek galerieschreibtippslinksharris collegescanlationetc

kontakt :: gästebuch :: home

 

 

 

originale
 
fanfiktion
 
gastautoren
 
harris college
 
challenges
 
buchregal

 

 
Gastautor
Ich habe alles gesehen und gehört, was fehlt mir noch?
Yavia


Die Frau trug ein Kopftuch und nur ihre Augen sahen darunter hervor. Das Tuch war bis über die Nase gezogen und verdeckte alles von dort an abwärts. Cedric war stehen geblieben und sah ihr nach. Sie mochte 20 Jahre alt sein.
Woher kam sie?
Hatte sie Ausschlag oder war es Mode, dort wo sie herkam?
Als sie verschwunden war, setzte er seinen Weg fort.

Seit Tagen schon dachte er an Kamui.

Er war drei Tage nicht bei Hope und Xandro gewesen und die Abstinenz tat ihm sehr gut. Dafür dachte er viel an Kamui. Manchmal saß er am Brunnen draußen und sah zu den Sternen auf. Er versuchte ihn zu rufen, glaubte aber nicht, ihn dort oben zu erreichen. Ebenso wusste er nicht was er ihm dann sagen sollte.
"Ich bin glücklich." War es das?

Seit Lance geboren wurde stand für ihn die Zeit still. Er hatte das Gefühl, dass ihn nichts aus der Bahn werfen konnte und das war sehr angenehm. Er hatte nicht gezaubert seit dem, doch was wichtiger war, er hatte niemanden getötet. Es war ein wirklich schönes Gefühl, nicht mehr den Drang zu verspüren jemanden umbringen zu wollen. Nun blieb er ruhig in allen Lebenslagen und nichts veranlasste ihn mehr auszuflippen und Unschuldige zu ermorden.
Und auch jetzt trug er kein Schwert bei sich, das war noch im Haus von Hope und Gwyddon.

Hope hatte ihren Sohn im Wald bekommen. Xandro und Cedric hatten ihr geholfen. Xandro war gut in so etwas; Cedric hatte versäumt ihn zu fragen woher er das konnte. Doch eigentlich war es nicht wichtig.

Gut das er da ist, er kann gut kochen, ist immer fröhlich, kann auf sich aufpassen und kann sich mit Schwert oder Magie wehren.

Hope fuhr gut damit, ihn als Freund zu haben. Wenn Cedric einmal weg ging, könnte er seinen Platz ausfüllen, obwohl er nicht glaubte das Xandro das gern tun würde. Immerhin war er trotz allem Cedrics Sohn

Unweit vor ihm war eine Person stehen geblieben. Sie trug einen langen Umhang in einer wunderschönen, grünen Farbe; leicht glänzend wehte der dünne Stoff um sie. Kaum 1,60m groß, überragte sie nicht gerade die Menschenmenge, dennoch fiel sie Cedric auf.
Der, mit einer Kapuze bedeckte, Kopf drehte sich ihm zu und zwei verschieden farbene Augen leuchteten ihn an.
Cedric erschrak, stieß daraufhin die Luft aus und stammelte: "Kamui?"

Der Elf kam mit großen Schritten zu Cedric herüber und schlug mit einer spielerischen Leichtigkeit die Kapuze zurück und sah zu ihm auf. Sein Lächeln fing Cedric ein und weckte in ihm das Gefühl der Liebe und Geborgenheit.
"Hallo Cedric, du bist spät. Was hat dich aufgehalten?", sprach der Elf sanft.
"Spät, aufgehalten? Waren wir verabredet?"
"Du hast mich gerufen."
Das stimmte, er hatte ihn herbeigesehnt und wusste nun selber nicht warum.
"Mir war so. Steckst du in Schwierigkeiten?", fragte Kamui. Sichtlich erfreut, dass er sich sorgte und wenigstens einer da war, der sich Gedanken um ihn machte, sprach Cedric: "Nein, nicht direkt. Ich, äh, weiß auch nicht."
Nicht sehr überzeugend, aber er wusste auch nicht was er sonst sagen sollte.
"Es freut mich dich zu sehen, du siehst gut aus."
Noch immer über den plötzlichen Zufall erstaunt, starrte Cedric seinen lang vermissten Freund an, und brachte keinen vernünftigen Satz zustande und nickte nur.
Eigentlich wollte er sagen: Danke, du siehst auch gut aus.
Kamui sah ihn an, bemerkte Cedrics Desorientierung und belächelte dies. Hatte er es doch mal wieder geschafft seinen Freund zu verwirren.
"Wir könnten auch in eine Kneipe gehen, anstatt hier Wurzeln zu schlagen", sagte er schließlich und Cedric belächelte dies.
"Ja, finde ich gut, ich wüsste auch wo", bekam Cedric seinen Boden wieder und führte seinen Freund zu der Gaststätte, wo er die letzten drei Tage gewohnt hatte.

Sie schwiegen den kurzen Weg dorthin und sahen sich hin und wieder an.

Jeder von ihnen bestellte sich ein Wein und sie schwiegen noch immer bis das Getränk ankam. Nachdem Kamui einen Schluck genommen hatte, lobte er den lang vermissten Geschmack und meinte zu seinem Gegenüber, dass er ihn ruhig schon eher hätte rufen können.
"Hast du den keinen Wein getrunken die ganze Zeit? Warum?", fragte Cedric.
"Dort wo ich war, gab es keinen Wein."
"Wo warst du denn?", fragte Cedric nach kurzem stutzen.
Wein hatte er bisher überall bekommen.
Kamui überlegte was er darauf antworten wollte, sagte dann: "Ich war nicht auf dieser Welt."
Und dachte daran was Cedric ihm vor langer Zeit über die Burg erzählt hatte. Ein mächtiges Gebäude das durch Zeit und Raum reisen konnte.
Im gleichen Moment dachte dieser an das, was sein Seelenbruder ihm anvertraut hatte. Die alterslos scheinende Gestalt vor ihm hatte gelernt seine Magie zu nutzen und diese war nicht ohne. Wenn Cedric Herr der Burg war, war er trotzdem nicht so mächtig wie Kamui, und das sollte schon was heißen.
Doch zum Glück aller Beteiligten lag die Burg hinter ihnen. Das die einer der Gründe war, warum er Kamui sehen wollte, drängte er beiseite.
Konnte der Elf ihm wirklich etwas über die Burg erzählen?
War er vielleicht in der Lage ihn hinzuführen oder Dinge zu tun, welche die Burg konnte?
Das war ein wichtiger Grund, Kamui zu sehen, er wollte ihn fragen.

"Was ist dir so passiert, du wirkst anders auf mich als damals, als wir uns das letzte mal sahen", meinte Kamui nachdem Cedric in Gedanken versunken war.
Cedric überlegte kurz.
"Hope hat ihr Kind glücklich geboren", fasste er seine Erlebnisse zusammen.
"Das Kind? Von...?", stieß Kamui aus.
Meinte er das von Gwyddon? Oder hatten sie inzwischen selbst ein Kind?
Während er darüber nachdachte, und sich grübelnd hinter dem Ohr kratzte, beobachtete Cedric ihn.
"Von Gwyddon, nicht von mir", half Cedric ihm auf die Sprünge, der die Gedanken seines Gegenüber erraten hatte. "Die Geburt ist ein halbes Jahr her. Sie gebar das Kind im Wald, Xandro und ich halfen ihr dabei. Xandro ist mein Sohn."
Kamui schluckte und starrte Cedric an. "Dein Sohn?"
"Mein Sohn, gezeugt vor vielen Jahren, inzwischen erwachsen und selbständig."

Eine Pause entstand, Kamui verdaute das gerade gesagte und erhielt recht schnell seine Fassung wieder.
Bei Cedrics Lebensstil war ein Kind ja kein Wunder. Was ihn mehr wunderte war, wie hatte er ihn gefunden? Da er erwachsen war, konnte es nicht Hinoos Kind sein.
Apropos Hinoo. "Was sagt Hinoo dazu?"
"Hinoo regiert ihr Land, sie hat mich gebeten Hope, Hotaru und Haplo dorthin zu bringen wo sie hinwollten. Hope weiß noch nicht, wo sie hinwill."
Kamui verstand das nicht wirklich, liebte Cedric sie eigentlich oder nicht? Wer liebte hier eigentlich wen?
Cedric nippte an seinem Wein und hoffte das der Elf nicht weiter fragen würde.
Er war sich ja selbst nicht sicher was er wollte.
Im Moment war er froh in diesem zeitlosen Zustand zu weilen. Wenn er das ausgekostet hatte, würde er zurückgehen, doch er wusste, dass er bei Hinoo nicht leben konnte.
Er liebte sie, sie liebte ihn, aber sie konnten nicht zusammen leben. Sie waren zu unterschiedlich, ihre Welten waren zu verschieden. Ab und zu sendete er zu ihr und erzählte ihr wie es ihm ging. Sie sagte dann wie es ihr ging und sie schwiegen wieder für einige Zeit. Sie hatte was sie wollte, einen Teil von ihm, einen Teil der sie an ihn erinnerte und dem es leicht fiel dort zu leben.
Ein Kind von ihm.

"Gehst du zurück?", wollte Kamui wissen. Cedric nippte an seinem Wein.
"Ja", log er. Er würde nicht zurück gehen, sie würden aufhören sich zu lieben und das wollte er niemals. Er liebte Hinoo noch immer, vielleicht sollte er es darauf reduzieren, sie zu besuchen. Mit Xandro. Sie sollten sich kennenlernen.

"Wie hast du Xandro gefunden? Diese Welt ist nicht gerade klein."
"Vielleicht hat die Göttin Ciall mich gelenkt. Ich habe ihn getroffen als es mir am schlechtesten ging und er half mir meinen Lebenswillen wieder zu finden. Insofern verdanke ich ihm mein Leben."
"Was war passiert?", fragte Kamui vorsichtig. Cedric holte kurz Luft und sah an ihm vorbei. Er war sich nicht sicher ob er es über sich brachte es zu erzählen.
"Ich hatte Hotaru und Haplo an dem Ort ihrer Wahl zurückgelassen. Danach war ich mit Hope zurück Richtung Hallstadt gegangen, weil sie dort wieder in ihrem alten Haus wohnen wollte und eventuell wieder in der Magierakademie zu lernen gedachte. Ich war fester Absicht danach zu Hinoo zurück zu gehen. Eines Tages trafen wir dann Dabriel."
Cedric machte eine Pause und überlegte wie er fortfahren sollte. Doch es fiel ihm jetzt leicht mit Kamui darüber zu sprechen, das Erlebnis verlor an Schrecken, weil sein Seelenbruder sein Zuhörer war.
"Dabriel, Melinas Bruder, hatte sich verändert. Sein Haar war weiß geworden und er trug einen weißen mit roten Strähnen durchwirkten Bart."
"Einen Bart?", entfuhr es Kamui, versank darauf sofort wieder in andächtiges Zuhören.
"Dabriel war genauso ein verdammter Mischling wie ich. Während der Rebellion war er ein guter Helfer und ich hatte ihn einmal auf den Ostkontinent gesandt, damit er dieses Sprengpulver besorgt. Er war mir nie aufgefallen, obwohl er immer eifersüchtig auf mich war, da ich ihm plötzlich seine Schwester wegnahm. Da er nicht hundertprozentig mit ihr verwandt war, durfte er sie lieben ohne sich dafür zu schämen. Er war damals dort gewesen, er hat gesehen wie ich erst Samson getötet habe, aus Wut, und danach die Hütte abbrannte in der Melinas Leichnam lag. Ich denke er wusste nicht, dass sie tot war. Er glaubte wohl, dass ich sie tötete. Als er es herausfand, war er viele Jahre in dem Unwissen geblieben. Doch inzwischen war es sein Lebensziel geworden, mich zu hassen."
Cedric nahm ein Schluck Wein und wollte nicht weitererzählen. Kamui sah ihn an und schätzte seine Laune ein.
"Und dann, was passierte als ihr euch begegnet wart?", fragte er, um Cedric aus der Lethargie zu wecken. Dieser sah ihn an und sprach weiter.
"Zuerst erkannte ich ihn nicht. Er ließ Hope irgendwohin verschwinden, nahm mir mein Schwert ab und erstach mich."
Kamui war erschrocken, zeigte es aber nicht.
"Während ich also vor mich hinstarb erzählte er mir, wer er war und dass er Hope dorthin geschickt hatte, wo wir uns wieder treffen würden, auf den Ostkontinent. Kurz nachdem er gegangen war, kam ein Mann herauf gestürzt der mir half mich zu heilen. Von dem Gespräch an sich hatte ich nicht viel mitbekommen, doch ich hatte das Gefühl, dass Dabriel ein bisschen verrückt war. Das war er zwar vorher auch schon ein wenig, aber es hatte sich noch gesteigert. Also machte ich mich auf den Weg dorthin." Cedric stoppte zu erzählen, rieb sich kurz das Gesicht, als wäre er gerade aufgestanden und sah die Leute in der Kneipe an. Es schien nicht so, als wolle er weiter erzählen. Kamui trank von seinem Wein und überlegte ob er es wagen sollte, Cedric anzusprechen. Trotz allem wirkte er ausgeglichener als früher, noch kontrollierter wie damals, als sie sich zuletzt sahen. Dennoch war er vorsichtig, die Launen des Halbelfen waren manchmal recht schmerzhaft. Cedric erzählte ohne Aufforderung weiter.

"Ich traf Hope sowie Dabriel wieder und wir zwei trugen unsere Meinungsverschiedenheiten im Kampf aus. Hope wurde dabei getötet, zumindest glaubte ich das. Jetzt begann ich mich zu fragen, was mein Leben sollte. Ich hatte Melina verloren, Hinoo war nicht die Frau mit der ich leben konnte und wie sollte ich weitergehen ohne Hope? Ich wollte das nicht; ich wollte nicht jeden verlieren der mir etwas bedeutete und so, schien es mir, war es mein ganzes Leben hindurch gegangen. Ich heilte meine Verletzungen nicht, setzte mich irgendwo hin und wartete, dass ich sterben würde. Während ich mir Anfangs noch Vorwürfe machte, verebbten sie danach recht schnell. Ich dachte an gar nichts mehr und das tat ich etwa 5 Tage. Hope war natürlich nicht tot, doch das interessierte mich nicht mehr. Ein Mann war vorbeigekommen, der auf mich einredete und es brauchte nochmals 2 Tage, bis ich ihn überhaupt wahrnahm. Er meinte, ich solle beenden was ich begonnen hatte und ich raffte mich auf, um auch Dabriel umzubringen, damit mein Leben den perfekten Abschluss bekam. Bei den ganzen Leuten machte es doch nichts aus, wenn ich den Bruder meiner Liebe auch noch umbrachte."

Es schien das er darüber lachte, doch richtig deuten konnte Kamui den Gesichtsausdruck nicht.

"Ich tötete ihn und schloss damit mein Leben ab. An den alten sowie neuen Verletzungen wäre ich sicher bald gestorben, ganz zu schweigen von dem Hunger, den ich hatte, aber nicht wahrnahm. Ich nahm nichts mehr wahr, hörte nichts, sah nichts und tat nichts. Eigentlich hätte man mich genauso gut als verstorben bezeichnen können. Hope kümmerte sich um mich. Sie heilte mich, fütterte mich und wusch mich, bis ich lange Zeit später einsah, dass ich nicht gestorben war und etwas mit dem Rest Leben anfangen wollte, den ich so dahin vegetierte. Und das, was mir dazu einfiel war: Die Burg.
Dort traf ich dann Xandro. Er versuchte mich umzubringen, weil er ebensolchen Hass in sich trug wie ich in jungen Jahren. Er beschimpfte mich, warum ich seine Mutter im Stich ließ, jene, die bis zu ihrem Tod auf meine Rückkehr wartete und ihrem Sohn den Namen Cedric gab. Natürlich wollte er nicht so heißen wie jener, der ihr soviel Enttäuschung gebracht hatte. All die Worte und Flüche ließen mich aufwachen und mich fragen, wie ich das wieder gut machen konnte. Schließlich, da er es nicht übers Herz brachte mich zu töten, stürzte er aus der Tür, die Hope öffnete. Sie sah ihm nach und ich begriff, dass er etwas für mich bedeutete und ging ihm nach. Ich fand ihn am Hafen, wo er versuchte sich umzubringen und lethargisch hielt ich ihn davon ab. Xandro ließ das Schwert sinken und schloss mich in seine Arme, langsam sprach ich zu ihm und weckte mich aus meiner Welt. Er hatte sich seinen Vater etwas anders vorgestellt und war enttäuscht das der Grund ihn hinderte, mich zu töten. Mittlerweile findet er es eine gute Entscheidung. Er gab mir einen Sinn zu leben und er tat nicht, was ich vor Jahren tat."
Seit längerer Zeit sah Cedric nun Kamui wieder an, ausdruckslos.
"Vielleicht wirst du es nicht verstehen, aber diese Zeit machte mir klar, was ich wollte. Ich kann nicht zu Hinoo gehen, ich kann nicht bei Melina sein. Ich kann sehen, wie Hopes Kind aufwächst, denn schließlich verbrachte ich eine lange Zeit mit ihr und..."
Er lächelte leicht und Kamui hatte das Bedürfnis ihn zu berühren, doch er hielt inne. Wie konnte er ihn trösten? Wie konnte er ihm klarmachen, dass das Leben trotz allem lebenswert war?
Wenn er richtig zwischen den Zeilen gelesen hatte liebte Cedric nur Melina. Er hatte sich schon lange nicht mehr in der Analyse von Leuten geirrt. Cedric wollte zu Melina.
War sein erster Eindruck falsch gewesen und Cedric war gar nicht glücklicher als sonst? War er nur gut darin geworden, es zu verbergen? Er war schon immer gut in so etwas gewesen; er hatte ja schließlich die ganze Zeit über nichts anderes getan.

Und nun? Wie ging es ihm jetzt?

Kamui mochte die Frage nicht stellen, aber was wollte er nach der Erkenntnis seines Wunsches denn nun eigentlich von ihm?
"Ich habe oft an dich gedacht, ich habe dich vermisst und habe mich oft gefragt was du machst. Doch ich hätte nie gedacht das es dir so schlecht erging", sprach Kamui leise.
"Es geht mir nicht schlecht, nicht anders als sonst."
"Findest du es ungerecht?" Er hatte sich nichts schlimmes an der Frage gedacht. Cedric überlegte kurz, schüttelte den Kopf und behielt das Lächeln bei. Kamui dachte an früher, an die Zeiten als Cedric nie etwas über sich erzählt hat. Wie lange hatte es gedauert bis er die Geschichte mit seinem Vater aussprach. Doch war er selbst denn anders? Er war doch genauso.
Er fasste sich ein Herz und kam auf das zu sprechen, weswegen er gekommen war.
"Hast du mich herbeigerufen, um darüber zu reden oder erwartest du meine Hilfe?"
"Wie willst du mir denn helfen?", fragte er mit dem leichten Unterton das ihm sowieso keiner helfen könnte. Kamui überhörte das, ärgerte sich, dass Cedric nicht einwarf, ihn gerufen zu haben um ihn wieder zu sehen und sprach.
"Ich habe gelernt, meine Zwei Seelen zu vereinen. Es war ein langer Weg dorthin, und es war nicht leicht. Nun komme ich mit mir sehr gut klar. Ich kann dir anbieten, dir dabei zu helfen dich selbst zu finden."
"Mich selbst Finden, ist das die Lösung?"
"Mir hat es sehr geholfen. Du kennst mich so und so, wie schätzt du es ein?"
Cedric legte die Hand ans Kinn und sah zur Seite. Im ersten Moment schien es, dass er darüber nachdachte, doch er hing seinen Gedanken nach. All das hatte ihm gesagt was er wollte und nicht haben konnte, war doch mit Dabriel die Erinnerung an Melina wieder erwacht, die er so lange verdrängt hatte.
Und sie schmerzte.
Selbst Hinoo wusste wie er sie geliebt hatte, sie waren ähnlich, aber nicht gleich. Keine war wie Melina. Was also wollte er eigentlich wirklich von Kamui? Warum hat er ihn gerufen?
"Kannst du mich zu Melina bringen?"
Kamui sah ihn intensiv an.
Wie war das gemeint? War das sein Ernst? Er beugte sich noch weiter vor und sprach nach kurzem Luftholen.
"Cedric, ich kann dich zwar zu ihr bringen, aber sie will nicht gestört werden. Sie wäre nicht mehr die, die du kennen gelernt hast. Sie würde dich hassen, weil du sie aufgesucht hast."
Langsam sah Cedric auf den Tisch hernieder. Es schien, dass Kamui eine andere Art der Kontaktaufnahme kannte als die Burg.
Er wollte sie ja nicht nur sehen, sondern mit ihr leben, oder sterben, wenn das der Weg des Wiedertreffens war. Konnte sie nicht zu ihm, dann ging er zu ihr. Das war etwas, was er auch ohne Kamuis Hilfe konnte.

"Kannst du mir den Weg zur Burg sagen?", fragte er schließlich, weil eigentlich war er zur Zeit nicht in der Stimmung zu sterben.
"Selbst wenn du mir mehr von ihr erzählst, glaube ich nicht, dass du sie durch meine Hilfe betreten solltest. Versuche nicht zu erzwingen, dass Melina bei dir ist. Du hast deinen Seelenfrieden im Jetzt gefunden. Du hast Xandro und Hope. Denke nicht an die Dinge die vergangen sind. Nun endlich hast du dir deine Tat verziehen, du lebst in Ruhe und Ausgeglichenheit. Du trägst nicht einmal dein Schwert. Meinst du nicht, dass du alles erreicht hast, um glücklich zu sein?"
Kamui sah ihn an, suchte seine Stimmung zu raten und hoffte ihn überzeugt zu haben sich nicht das Leben zu nehmen. Cedric sah zu ihm auf und lächelte.
"Weißt du, ich bin mir nicht sicher, ob ich bereit bin zu sterben. Aber ich hoffe das Melina auf mich wartet, wenn es soweit ist, willst du sie das für mich fragen?"
"Hier? Jetzt?"
"Nein, es hat Zeit. Frage sie wenn dir danach ist und teile mir die Antwort mit, wenn dir danach ist." Cedric sah ihn an und Kamui konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten.
Konnte es bedeuten, dass er nun gespannt wartete? Oder würde er eh machen, was er wollte und sich gleich morgen selbst zu Melina bringen? Das Einzige was Kamui nicht konnte, war Cedric vorzuschreiben was er zu tun und zu lassen hatte. Jenes war ja immer das gewesen, was er an ihm so bewunderte, seine Fähigkeit, das zu erreichen was er wollte. Nun war er dort, wo er schon immer sein wollte, Kamui konnte nicht glauben, das er das wegwarf, wofür er so lange gekämpft hatte. Waren sie dazu auserkoren, nicht glücklich zu sein, wie er es vor Jahren feststellte? Er selbst war doch auch nicht glücklich, er lebte nur um anderen vorzuspielen, das er glücklich sei. Ja, er war ausgeglichen und konnte über alles bestimmen was ihn betraf, aber, war das glücklich? Wie definierte sich Glück für sie?

Als er wieder zu seinem Freund sah bemerkte er seinen intensiven Blick.

Cedric hatte sein Glas geleert und betrachtete sein Gegenüber. Er versteckte seine Gedanken hinter einer lächelnden Maske.
Die Frage war doch nicht der einzige Grund gewesen ihn zu rufen, das merkte Cedric nun, es war mehr und während er ihn ansah wurde er sich dessen immer bewusster. Doch was war, wenn er inzwischen..?
Er würde es nie erfahren, wenn er es nicht ausprobierte.
"Weißt du", begann Cedric, "ich habe mich schon immer gefragt, wo du deine Klamotten kaufst." Sichtlich verwirrt sah Kamui ihn an. Das war ein ihm bekannter Schwenk um 180 Grad, typisch für Cedric, wenn er keine Lust mehr hatte, über ernste Dinge zu reden.
"Ich nähe sie selbst", sagte er trocken.
"Unfassbar", meinte Cedric und Kamui verkniff sich das Lachen, natürlich nähte er sie nicht selbst, wo es doch so schöne zu kaufen gab. Cedric fuhr fort zu sprechen und stoppte somit Kamuis Gedankengang.
Worauf wollte er hinaus?
"So etwas kann ich nicht. Dafür kann ich Figuren schnitzen, warte, ich zeige dir eine.." Er kramte in der Tasche seiner Weste und Kamui fiel auf, dass Cedric recht ordentlich gekleidet war, sowie frisch gebadet. Sagen wir so, es fiel ihm hier zum zweitenmal auf.
Cedric hatte eine kleine hölzerne Figur hervorgeholt und hielt sie herüber.
"Da", stieß er aus und Kamui sah sie an. Es war ein junger Mann, und er nahm sie um sie genauer zu betrachten. Sehr fein ausgearbeitet konnte er eine neutrale Mimik erkennen sowie ein verziertes Hemd. Sie hatte langes Haar und trug eine enge Hose die in wadenhohe Stiefel gesteckt war. Kamui sah Cedric an und sagte: "Sie ist wunderschön."
"Du kannst sie haben, ich habe noch mehr davon."
"Wo?", fragte er, sichtbar fasziniert von der Arbeit.
"Oben, komm, sieh selbst und such dir eine aus."
Er stand auf und ging an ihm vorbei, ohne ein weiteres Wort zu sagen, folgte Kamui ihm.

Das Zimmer war spartanisch eingerichtet, üblich auf dieser Welt, dachte Kamui sich. Neben dem Bett stand ein kleiner Stuhl über dessen Lehne ordentlich eine Jacke hing. Ebenso stand, dichter zur Wand hin, ein Nachttischchen, an das Cedric herantrat. Im ganzen Raum konnte Kamui nirgends ein Schwert entdecken. Vorsichtig holte der große Halbelf ein Tuch hervor und entblätterte es auf dem Bett das zwischen ihm und Kamui stand. Beide setzten sich nieder und Kamui bewunderte die filigranen Details. Er sah nach einer ganzen Weile auf.
Cedric sah ihn an, beobachtete die ganze Zeit seine Bewegungen.
So dicht wie sie dort saßen, konnten sie den Atem des anderen spüren.
Kamui sah auf die feinen weißen Haare in Cedrics Bart, bemerkte die Falten um Mund und Augen. Er war ein ganzes Stück älter geworden inzwischen, etwas was ihn faszinierte und ihn interessanter scheinen ließ als er eh schon war.

Vorsichtig berührte Cedric mit den Lippen Kamuis Mundwinkel, verharrte kurze Zeit so und löste sich dann langsam von ihm. Sofort misste Kamui die Berührung, sah fordernd zu ihm auf. Sanft küsste Cedric nun die Lippen seines Gegenüber, inhalierte den Duft der Haut. Kamui erwiderte den Kuss und ließ, die in der Hand gehaltenen Figuren, fallen, um Cedric zu berühren. Zärtlich fuhr er mit den Fingern unter das Hemd, betastete Cedrics Bauch um dann den Weg nach oben zu suchen. Inzwischen hatte Cedric nach dem Saum von Kamuis Hemd gegriffen und zog es seinem Partner über den Kopf aus. Widerstandslos ließ jener es zu. Und dann ließ er sich von Cedric am Hals küssen, während er der nun ihn entkleidete. Sanft wurde Kamui niedergedrückt und Cedric liebkoste den glatten Körper. Er spürte wohlig, wie dessen Finger, durch den Flaum der Körperbehaarung, den Weg hinunter zu seiner Hose suchten und sie öffneten. Er strich Kamuis langes Haar zurück, fuhr über seinen Rücken und entlockte ihm damit ein sanftes Stöhnen. Weiter suchten seine Hände und striffen schließlich die Stoffhose über seine schmalen Hüften. Kamui hatte Cedrics Hose geöffnet und er richtete sich etwas auf, damit er sie ihm ausziehen konnte. Langsam zog der Elf sie herunter, streichelte seine Hüften und fuhr schließlich die Innenseite seiner Beine entlang. Cedric stöhnte auf, spürte seine Erregung mit Wonne und sank hernieder, biss Kamui in die Schulter.
Beinahe vorsichtig strich Kamui hinauf zwischen Cedrics Beine und umfasste zärtlich das erigierte Glied. Die andere Hand griff nach Cedrics Nacken, als er seine eigene Erektion spürte. Kamui schrie heiser auf, während der Halbelf mit den Händen über dessen Körper strich und küssend von der Schulter hinab zu seinen Brustwarzen fuhr, um dann an ihnen zu knabbern. Cedric zog nun kleine Kreise mit der Zunge, saugte und biss vorsichtig und ließ seine Hand kurz über Kamuis Glied ruhen, die Stelle, die bei jenem unbehaart war. Leicht, durch die Erektion beeinflusst, zuckten seine Finger und steigerten Kamuis Erregung.
Kamui umfasste Cedrics Glied erneut mit seiner warmen Hand, langsam bewegend führte es schließlich zum Erguss. Cedric schrie auf, richtete sich von Kamuis Brust auf um dann wieder nieder zu sinken. Er küsste den Hals und den Mund, atmete heftig.
Langsam fuhr Cedric fort, Kamui zu küssen, hinab über Brust und Bauch, gar so als, solle jede Stelle seines Körpers mit Küssen bedeckt werden. Das kribbelnde Gefühl von Cedrics Bart jagte ihm Schauer über den Rücken und er griff in den, noch immer dichten, Haarschopf seines Freundes. Unter gleichmäßigem Massieren der Seiten nahm Cedric das Glied in den Mund um auch ihn zum Erguss zu führen, was auch nicht lange dauerte.
Kamui stöhnte auf, presste Cedrics Kopf auf seinen Bauch und packte die Großen Ohren. Während Kamui noch stark erregt war, wischte Cedric sich über den Mund nur um festzustellen, dass er gerade noch schnell genug war keinen Samen abgekriegt zu haben. Er ruhte nun auf dem Bauch und streichelte die Rippen, Kamui kraulte seinen Kopf. Er genoss das Gefühl nach dem Akt und sah eine ganze Weile später zu Kamui auf.
Dieser blickte ihn glücklich an und lächelte, strich das Haar aus dem Gesicht und befühlte die markanten Wangenknochen. Er mochte nichts sagen, aus Furcht die Szene zu zerstören. Ebenso erging es Cedric und er ließ die Hand auf der warmen Brust liegen, ließ sich von Kamui den Kopf streicheln.

Noch etwas später zog Cedric eine der Figuren unter sich hervor und stellte sie auf Kamuis Brust.
"Etwas unbequem auf den Dingern. Möchtest du nun eine haben oder nicht?" Kamui nahm sie hoch. Sie zeigte einen bärtigen, kurzhaarigen, jungen Mann, der sich leicht lächelnd auf ein langes Schwert stützte. Der trug eine enge Hose mit Stiefeln, sowie eine kurze Jacke und er hatte spitze Ohren.
"Sollst du das sein?", fragte er, sah ihn an.
"Vielleicht, vor einem halben Jahr, als ich noch meine Meinung mit dem Schwert äußerte. Ich bin froh, das dem nicht mehr so ist."
Kamui betrachtete die Figur und murmelte schließlich: "Das bin ich auch."
Er richtete sich auf und sah Cedric an der sich aus Mangel seines Liegeplatzes auf die Arme stützte. Dieser lächelte und sah glücklich aus, blickte ihn an.
"Sie ist trotz der Vergangenheit wunderschön und ihre Zukunft macht sie nur noch schöner. Ich liebe sie mit allem was sie ausmacht, mit Hochs und Tiefs, lachend und weinend. Niemals möchte ich sie missen und ich trage mit Freude und Stolz den Teil in mir.", er küsste Cedric auf die Stirn "Hab Dank dafür."
Cedric sah auf die Bettdecke und schwieg lächelnd. Hatte er das Gesagte auch so verstanden wie es gemeint war? Wenn er so genau wusste, wie es gemeint war, dann könnte er auch darauf reagieren. Sanft schloss Kamui ihn in seine Arme und er unterdrückte das Gefühl, weinen zu müssen. Auch er war froh über den Teil in sich, hatte er ihm so oft in dunklen Stunden Licht gebracht, sein Gemüt erhellt. Doch helfen in der dunkelsten Zeit seines Lebens, vermochte er nicht, dafür war er zu schwach. Er sah zu Kamui auf und sprach:
"Ich bin glücklich dich getroffen zu haben. Wir haben uns gehasst und geliebt und nie hätte ich gedacht mit dir zu schlafen. Es war schön und um nichts in der Welt möchte ich es missen. Ich liebe dich und trotzdem möchte ich hier bleiben, bei Hope, Xandro und dem Kind. Du weißt es sicher, und es wird dich nicht schmerzen, wenn ich sage das ich spätestens seit Gwyddon nur Hope liebe. Und sie ist für mich erreichbar, nicht so wie Melina."
Etwas verstört blickte Kamui über Cedric hinweg. Die Welt schien ein zu stürzen. Der Halbelf neben ihm hatte nichts verstanden. Durch die Maske aus Selbstbeherrschung drängelte sich die Wut. Er starrte aus dem Fenster, suchte das Geschehene und Gesagte überein zu bringen. Draußen dämmerte es und Wolken zogen vorbei. Auch bei Kamui dämmerte es. Jener stand auf und begann sich an zu ziehen.
Dieser begriffsstutzige Barbar kostete ihm mal wieder den letzten Nerv.
Er leugnete seine Gefühle ihm gegenüber und das machte Kamui rasend.
Warum schlief er mit ihm wenn er ihn doch nicht haben wollte?
Diese blöden Frauen in Cedrics Leben brachten alles total durcheinander, wo es doch so einfach sein konnte.
"Was ist nun?", fragte Kamui deshalb, drehte sich zu dem in die Decke gewickeltem Mann herum. Dieser blickte ihn verwundert an.
"Was meinst du?", fragte Cedric. Kamui hatte das Hemd in der Hand und warf es zu Boden. Wofür sollte er seine Fassade aufrecht erhalten? Der Mann vor ihm kannte ihn so, wie es aus ihm heraus brach.
"Spiel keine Spiele mit mir. Was sagt dir dein Herz? Soll ich bleiben oder gehen? Cedric, ich will eine Antwort, ich bin es leid im Ungewissen zu sein. Also, was ist nun mit uns?"
Die Pause die entstand lastete auf ihm und er wünschte, Cedric würde antworten. Doch dieser blickte ihn ausdruckslos an, gar so als stehe er über allen Dingen. Kamui spürte die Nervosität, die sich in Form eines Zitterns in ihm breit machte.
Was würde er antworten? Würde er das sagen, was er hoffte? Das, wonach es aussah? Oder würde ihn die Antwort aus der Bahn werfen?
Je länger er wartete, desto mehr verfluchte er, überhaupt gefragt zu haben.
Kamui bückte sich nach seinem Hemd, hob es auf.

   

 

 

 

 

 
     




 

   © 2000-2008 by Nika
Diese Seite verfolgt keine kommerziellen Interessen